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Wissenschaft / Artikel

GROWIAN sorgt für Wirbel

Im September 1983 nahm die „Große Windkraftanlage“, abgekürzt GROWIAN, ihren Versuchsbetrieb zur Stromgewinnung auf. Mehr über das Scheitern von GROWIAN, den aktuellen Boom und weitere Möglichkeiten, die atmosphärische Druckunterschiede bieten, erfährst du hier.

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Growian_Growian.jpgIm Oktober 1983 begann für „Growian 1“ der Versuchsbetrieb. Der Name ist eine Abkürzung und bedeutet „Große Windkraftanlage“. Diese erste große Windkraftanlage befand sich im Kaiser-Wilhelm-Koog an der Westküste Schleswig-Holsteins, einem sehr windreichen Gebiet.


Growian sollte mit seinem Rotor, der 100,4 Meter Durchmesser hatte, 3000 Kilowatt Leistung erzeugen. Growian war ein Leeläufer, anders als heute im Allgemeinen eingesetzte Windräder. Das heißt, der Rotor wurde von hinten angeblasen. Die beiden Rotorblätter drehten sich mit etwa 18 Umdrehungen pro Minute.


Anforderungen der Zeit voraus
 
Growian_Bau.jpg

Heute verwendete Materialien können den starken Kräften gut standhalten. Hier die Montage einer Windkraftanlage auf der Steininsel in Magdeburg. Achte auf die Größenverhältnisse!

 
Der Mast war gut 100 Meter hoch und oben befand sich ein über 300 Tonnen schweres Gehäuse, dass nach oben und unten gefahren werden konnte, was die Wartung vereinfachte, aber die Konstruktion erschwerte. Die damals verwendeten Materialien waren für solche Lasten nicht wirklich geeignet.


Neben den sich daraus ergebenden technischen Problemen hatten auch Umweltschützer ihre Schwierigkeiten mit der Anlage. Sie befürchteten in den Rotorblättern den Tod von Vögeln, weshalb große Netze gespannt werden mussten.


17 Tage statt drei Jahre


Auf Grund der Baugröße und des großen Gewichts kam es ständig zu Betriebsunterbrechungen. Besonders Stürme machten dem riesigen Bauwerk schwer zu schaffen. Die damals verwendeten Materialien waren den Belastungen durch die großen Kräfte nicht gewachsen.
 
Eigentlich sollte Growian drei Jahre laufen und Wissenschaftlern und Technikern Daten liefern. Doch wegen der technischen Probleme lief GROWIAN im Versuchszeitraum insgesamt nur 17,5 Tage. 1987 wurde die Anlage wieder abgebaut.


Growian_ParkNacht.jpgAus dem Großprojekt GROWIAN zog man wichtige Lehren. So baut man heute viele kleinere Anlagen, die man in Windparks zusammenfasst, statt nur einen großen Rotor. Zudem halten moderne Materialien den Belastungen leicht stand.


Aus den Augen


Heute sieht man in vielen Gegenden Deutschlands Windräder. Vorteile von Windrädern sind der geringe Flächenverbrauch und sie haben schon in höchstens einem Jahr die zu ihrer Herstellung nötige Energie wieder erzeugt.


Manchmal hört man Klagen über die so genannte „Verspargelung“ der Landschaft durch die hohen schmalen Türme der Windräder. Dies kann durch so genannte Offshorewindparks im Meer gelöst werden. Zudem ist Wind eine nie versiegende Energiequelle, die schadstofffrei genutzt werden kann.


Die Tierwelt ist im Grundsatz auch nicht gefährdet. So kommen nach einer Studie des Naturschutzbundes NABU pro Jahr etwa 1000 Vögel durch Zusammenstoß mit einer Windkraftanlage um. Demgegenüber stehen 10 Millionen tierische Opfer durch Straßenverkehr und Stromleitungen. Gefährdet seien allerdings Rotmilan und Seeadler.


Jedoch sind die in Deutschland besonders geschützten Fledermäuse durch Windkraftanlagen gefährdet. Dazu müssen die Tiere nicht einmal mit einer Anlage zusammenstoßen. Die Tiere sterben auch durch die Druckluftunterschiede in der Nähe eines Windrades. Dem kann man jedoch vorbeugen, indem Windräder nicht an Standorten in der Nähe von Fledermauskolonien gebaut werden.


Wind weht, wann er will


Schwerer wiegt ein technischer Einwand gegen Windräder: Wind ist zwar eine unerschöpfliche Energiequelle, allerdings entzieht sie sich der menschlichen Kontrolle - der Wind weht, wann er will. Darum kann es sein, dass manchmal zu viel oder zu wenig Strom erzeugt wird.
 
Dafür wird an Speicherlösungen gearbeitet. Batterien sind dafür nicht geeignet, zu viele würden benötigt. Das würde zu neuen Problemen wegen der verwendeten, nicht immer ungiftigen Stoffe führen.
 
Growian_Pumpspeicher.jpg
Stattdessen versucht man überschüssige Energie in Druckluftspeichern (siehe Bild) oder Pumpspeicherkraftwerken zu speichern. Bei Druckluftspeichern wird Luft in Tanks gepresst und bei Bedarf wieder abgelassen und damit eine Turbine angetrieben, die an einem Generator hängt, wodurch Strom erzeugt wird.
 
Bei Pumpspeicherkraftwerken wird Wasser in eine gewisse Höhe gepumpt und bei Bedarf durch Fallrohre abgelassen und damit ebenfalls Turbinen samt Generator angetrieben.


Deutschland ist Spitze


Growian_Dreiblatt.jpgDurch das Erneuerbare Energiengesetz, das den Betreibern von Windkraftanlagen eine Abnahme ihres Stromes zu einem festgesetzten Preis garantiert, ist Deutschland mit installierten 22000 Megawatt Leistung auf dem Windenergiemarkt weltweit führend, vor den USA mit knapp 17000 und Spanien mit 15000 Megawatt.


In Deutschland führend ist Schleswig-Holstein, wo 2600 Anlagen 2500 Megawatt liefern. Damit können in diesem Bundesland 34 Prozent des Stromverbrauchs durch Windenergie gedeckt werden. Dann folgen Mecklenburg-Vorpommern mit 28 Prozent und Niedersachsen mit 26 Prozent Deckung.
 
Growian_Drachenboot.jpg
Insgesamt sind in Deutschland gut 19000 Windkraftanlagen installiert und sie liefern mit knapp 23000 Megawatt 6 Prozent des Gesamtstromverbrauchs. Schon 2013 soll das für 2020 geplante Ausbauziel erreicht werden. Nicht zuletzt kann die deutsche Wirtschaft hier durch Innovation und Export weltweit glänzen.
 
 
Mit dem Wind übers Meer


Auch in der Schifffahrt wird wieder verstärkt über den Einsatz von Windenergie nachgedacht. Entweder werden Schiffe mit so genannten Flettnerrotoren ausgerüstet oder man hängt riesige Drachen vor Tanker, die so gewissermaßen durchs Meer gezogen werden (siehe oben).
 
Growian_Flettner.jpgFlettnerrotoren nutzen den Magnuseffekt. Du kennst ihn von gekrümmten Schüssen, den so genannten Bananenflanken im Fußball. Wie der funktioniert, erfährst du, wenn du dem Link am Ende des Artikels folgst.
 
 
 
 
Übrigens: Streng genommen ist auch Windenergie eine Form von Solarenergie. Denn Wind weht nur auf Grund von Druckunterschieden in der Atmosphäre, die letztlich durch die Sonneneinstrahlung bewirkt werden.


Hier siehst du ein Satellitenbild des damaligen GROWIAN-Standortes.
 
Hier und hier erfährst du mehr über die Geschichte der Windenergie.


Mehr über Windschiffe und den Flettner-Rotor erfährst du hier.


Der Magnuseffekt im Sport - das Geheimnis der Bananenflanke.
 

Wenn dich Energieversorgung und interessiert. dann wirf doch auch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 3: Energie oder WAS IST WAS-Band 24: Elektrizität.


Text: -jj-/LM 1.10.2008; Bilder: Arne Nordmann/GFDL; Dreiblattroter: Michael Höfner cc-by-sa 2.5; Pumpspeicherkraftwerk Marina Szengel GFDL; Windpark Philipp Hertzog/GFDL; Montage: Hadhuey/PD; Windschiff: © Beluga Skysails/http://www.wintecc.de/; Buckau/PD; GROWIAN: www.ifb.uni-stuttgart.de/~doerner/windenergie2.html



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