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Während Politiker heute überlegen, ob die Marke Opel als eigenständiges Unternehmen aus dem kriselnden General-Motors-Konzern herausgelöst werden kann, war es die Weltwirtschaftskrise 1929, die den damals größten Automobilhersteller Deutschlands in den Konzern integriert hat. Die Firma Opel war damals schon 60 Jahre alt und baute bereits seit mehr als 30 Jahren Autos.
Während ihrer Lehr und Wanderjahre arbeiteten die Gebrüder Adam und Georg Opel in zwei Pariser Nähmaschinenfabriken. Im Herbst 1862 kehrte Adam Opel in seine Heimatstadt Rüsselsheim zurück und baute seine erste Opel-Nähmaschine. In einem ehemaligen Kuhstall begann er mit einer eigenständigen Fertigung. Sein nach wie vor in Paris lebender Bruder Georg versorgte ihn mit den notwendigen Spezialstählen, Greifern und Nadeln. Weil er viel Zeit für die Fertigung seiner Nähmaschinen benötigte, konnte er zunächst noch nicht davon leben. So verkaufte er ausserdem noch Konkurrenzprodukte aus Paris und London.
Opels Söhne faszinierte die Idee des Fahrrades. Das Fahrrad war das erste mechanische Individualverkehrsmittel und nach der Nähmaschine das zweite technische Serienprodukt. Adam Opel ließ sich von seinen Söhnen überzeugen und begann 1886 zusätzlich mit der Fertigung von Opel-Fahrrädern. Als erfolgreiche Radrennfahrer trugen die fünf Opel-Brüder Carl, Wilhelm, Heinrich, Fritz und Ludwig viel zur Popularität der Opel-Fahrräder bei. Im Jahr 1898 stellten 1200 Beschäftigte fast 25.000 Nähmaschinen und 15.000 Fahrräder her. In den 1920er Jahren stieg Opel zum größten Fahrradhersteller der Welt auf.
Im Alter von 58 Jahren starb Adam Opel 1895 in Folge einer Typhuserkrankung. Er hätte sich niemals vorstellen können, dass seine Firma einmal Autos produzieren sollte. Kurz vor seinem Tod soll Adam Opel beim Anblick eines Automobils ausgerufen haben: „Aus diesem Stinkkasten wird nie mehr werden, als ein Spielzeug für Millionäre, die nicht wissen, wie sie ihr Geld wegwerfen sollen!“
Die Produktion von Kraftfahrzeugen lief langsam an. 1901 begann man bei Opel erst einmal Motorräder herzustellen, um damit eine logische Brücke zwischen der Fahrrad- und Autoherstellung zu bauen. Den ersten großen Erfolg hatte die junge Firma 1904 mit dem Opel Doktorwagen, der so hieß weil er von Ärzten gerne für Hausbesuche genutzt wurde. Sein günstiger Preis von 3.950 Mark trug maßgeblich zum Erfolg des Modells bei. Es war das erste Automobil, das den Opel Schriftzug auf dem Kühler trug. Weitere Modelle folgten, u. a. auch der Opel 60-PS-Motorpflug, der auf den Äckern eine Revolution darstellte, weil die Bauern damals noch den Pferdepflug verwendeten. Im Jahr 1912 produzierten 3.000 Arbeiter 30.000 Fahrräder und 3.000 Autos. Das Werksgelände war rund 73.000 m² groß.
Seit 1909 hatte Opel auch Nutzfahrzeuge produziert, die neben dem zivilen Einsatz als Omnibusse, LKWs und Feuerwehrautos auch als Heeres-LKWs sehr erfolgreich wurden. Während des ersten Weltkriegs boomte die LKW-Fertigung. Im Werk Rüsselsheim wurden zwischen 1915 und 1918 mit über 4.000 Beschäftigten 4.453 Lastwagen, 2.391 Personenkraftwagen und zirka 6.000 Flugzeugmotoren (nach BMW-Lizenz) hergestellt.
Im Jahr 1930 erwirtschaftete das Unternehmen einen Verlust von knapp 14 Millionen Reichsmark. 1931 übernahm GM das Unternehmen dann vollständig. Der Verkaufspreis betrug für damalige Verhältnisse gewaltige 154 Millionen Reichsmark. Die Opel-Brüder konnten durchsetzen, dass sie Mitglieder des Aufsichtsrates blieben und Fritz von Opel den Vorstand leitete. Außerdem blieben der Name Opel und eine eigenständige Modellpolitik erhalten.
Weitere Informationen bekommst du im WAS IST WAS Band 53: Das Auto.