Heute, am 30. Oktober 2004, erhält Bernhard Victor "Vicco" Christoph Carl von Bülow den Jacob-Grimm-Preis in Kassel überreicht. Denjenigen, der sich hinter diesem Namensungetüm verbirgt, kennt ihr sicher besser unter seinem Künstlernamen Loriot. Die Cartoons mit den liebenswerten Knollennasen wurden zu seinem Markenzeichen.
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Liebevolle Knollennasen
Knollennasen sind ein typisches Charakteristikum für seine Strichmännchen "Wum" und "Wendelin", die er für die TV-Lotterie "Aktion Sorgenkind" zeichnete. Unvergessen auch sein Quietsche-Entchen liebender Herr Müller-Lüdenscheid in der Badewanne und "Das Frühstücksei".
Preußische Erziehung
Loriot wird in Brandenburg an der Havel, als Sohn einer preußischen Offiziersfamilie, am 12. November 1923 geboren. Sein Künstlernamen stammt vom Wappentier der Familie, dem französischen Vogelnamen für den Pirol. Von 1934 an besucht Vicco von Bülow das Humanistische Gymnasium zunächst in Berlin und später in Stuttgart, wo er 1941 sein Abitur macht.
Zeichnerisches Talent
Als von Bülow nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt, stellt sich die Frage nach der beruflichen Zukunft. Eigentlich würde Loriot gerne Musik studieren, doch sein Talent reicht nicht aus. Er zieht nach Hamburg um sich dort an der Kunstakademie der Malerei und Grafik zu widmen. Seine ersten Karikaturen mit den knollennasigen Männchen muss er jahrelang unter einem Pseudonym veröffentlichen. Damals schickte es sich nicht für einen Studenten der Kunsthochschule Comicfiguren zu zeichnen.
Erste große Erfolge
Ab 1950 ist von Bülow als Cartoonist für den "Stern" tätig. Seit dieser Zeit unterschreibt er mit dem Pseudonym "Loriot". Der erste Cartoonband Loriots erscheint 1954 unter dem Titel "Auf den Hund gekommen". Erste Aufträge als Cartoonist für die Illustrierte "QUICK" sowie erste humoristische Werbeplakate für einen Spirituosen-Hersteller folgen 1955. Sie machen ihn berühmt.
Erfolgsgarant in Film und Fernsehen
Vicco von Bülow entdeckt in den 70er Jahren das komödiantische Talent der Schauspielerin Evelyn Hamann. Mit ihr gemeinsam machte er seine erfolgreichsten Sketche, einige sind sogar preisgekrönt. Und auch seine Kinofilme "Ödipussi" (1987) und "Papa ante Portas"(1991) sind große Erfolge.
Der Jacob-Grimm-Preis
Dieser Preis ist mit 35.000 Euro der höchst dotierte der deutschen Sprachpreise. Der Kulturpreis Deutsche Sprache wird jährlich von der Eberhard-Schöck-Stiftung (Baden-Baden), der Theo-Münch-Stiftung (Düsseldorf) und vom Verein Deutsche Sprache e.V. (Dortmund) vergeben. Der Preis wird Vicco von Bülow in Kassel übergeben.
Begründung der Jury
Vicco von Bülow habe sich immer für die deutsche Sprache engagiert. Außerdem habe er mit seiner Arbeit erfolgreich widerlegt, dass die Deutschen keinen Humor haben. Dank seiner Sketche seien neue Begriffe, Redewendungen und Akzente in die deutsche Sprache eingeflossen. So habe der Begriff "Ach was?!" oder auch "Früher war mehr Lametta" eine neue Bedeutung durch ihn erhalten. Zitate aus seinen Sketchen und Filmen werden stellvertretend in ganz anderen Situationen gebraucht - und damit habe der Autor die Sprache, die er selbst brilliant als Waffe und Charakteristik seiner Figuren einsetzt, weiterentwickelt.
Neben Vicco von Bülow werden auch noch Deville Schober und Peter Schlenter für ihre Website www.irgendwo-in.de geehrt, sowie die Stuttgarter Zeitung.
12.11.03 / sw aktualisiert 30.11.04 ab / Cover: Das Frühstücksei, Diogenes Verlag. DVD: Loriot – sein großes Sketcharchiv, Ödipussi.