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Václav Havel – Kämpfer für Demokratie und Menschenrechte

Der tschechische Schriftsteller und Politiker Václav Havel wurde am 5. Oktober 1936 in Prag geboren. 1948 wurde die Tschechoslowakei zu einer kommunistischen Diktatur. Havels wohlhabende, bürgerliche Familie wurde enteignet, d.h. ihnen wurde ihr Besitz weggenommen. Aufgrund seiner großbürgerlichen Herkunft durfe Václav keine höhere Schule besuchen. Er machte daher eine Lehre als Chemielaborant und holte sein Abitur an der Abendschule nach. Doch auch das Studium blieb ihm aus politischen Gründen verwehrt.

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vaclav_havel_bBild: Vaclav Havel
 
 
Von 1960 an arbeitete er als Bühnentechniker an zwei kleinen Theatern in Prag. Er verfasste seine ersten Theaterstücke, die dort auch aufgeführt wurden. Außerdem veröffentlichte er regelmäßig Beiträge in Literatur- und Theaterzeitungen. Sein Schaffen war geprägt von seiner kritischen Auseinandersetzung mit dem Regime. 1962-66 absolvierte er ein Fernstudium an der Theaterfakultät.
 
Vom „Tauwetter“ bis zum Ende des  „Prager Frühlings“
 
Schriftsteller und Kulturschaffende, unter ihnen auch Havel bemühten sich in dieser Zeit um eine Lockerung der staatlichen Zwänge und eine Öffnung des abgeschotteten Landes nach Westen hin. Tatsächlich wurde 1968 die Pressezensur aufgehoben und eine Demokratisierung eingeleitet.
 
Auch die Wirtschaft sollte aus der Krise herausgeführt werden, in die sie durch die kommunistische Planwirtschaft geraten war. Die führenden Politiker – allen voran der neue Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Alexander Dubcek – bemühten sich darum, einen menschenfreundlichen Sozialismus zu schaffen, in dem viele Zwänge und die totale Steuerung von oben abgeschafft werden sollten. Man nennt diese Zeit das „Tauwetter“ bzw. den „Prager Frühling“, da es so aussah, als würde es einen politischen Neuanfang geben.
 
Doch alles kam anders. Den Regierenden in der UdSSR waren die Liberalisierungstendenzen ein Dorn im Auge. Sie befürchteten, dass auch andere Ostblockstaaten sich davon „anstecken“ lassen würden. In der Nacht vom 20. auf den 21. August 1968 marschierten Armeen aus den sozialistischen Nachbarländern Polen, Ungarn, Bulgarien, der DDR und aus der UdSSR in die Tschechoslowakei ein und beendeten den Reformprozess mit Gewalt. Gemäßigte Politiker wurden abgesetzt, viele ihrer Anhänger erhielten Berufsverbot. Die russischen Armeen besetzten die Tschechoslowakei bis 1989.
 
Die “Normalisierung” – Zeit der Unterdrückung und Inhaftierung
 
Auch Václav Havel bekam die Auswirkungen der sogenannten “Normalisierung” zu spüren. Normalisierung bedeutete nämlich, dass der alte Zustand der Unterdrückung wieder hergestellt wurde. Er erhielt Publikationsverbot, durfte seine Schriften in der Tschechoslowakei also nicht mehr veröffentlichen - viele von ihnen erschienen dafür in Deutschland.
 
Aber trotz der Schikanen ließ Havel nicht locker. Er zog von Prag aufs Land, setzte sich für politische Gefangene ein und schrieb 1975 sogar einen offenen Brief an Präsident Gustav Husak, in dem er seine Regierung kritisierte.
 
Als 1977 eine regimekritische Rockband inhaftiert wurde, entstand die Menschenrechtsinitiative „Charta77“, deren Mitbegründer Havel war. Die Charta prangerte Verstöße gegen das Menschenrecht in der Tschechoslowakei an und wurde international anerkannt. Im eigenen Land sahen sich ihre Mitglieder jedoch starkem Druck ausgesetzt. Sie wurden tagelang verhört und immer wieder inhaftiert.
 
Auch Václav Havel war viereinhalb Jahre, von 1979 bis 1983 im Gefängnis. Im Januar 1989 kam er erneut hinter Gitter, nachdem er eine Gedenkveranstaltung  für Jan Palach mitorganisiert hatte, der sich 1969 aus Protest gegen die russische Besetzung des Landes selbst verbrannt hatte. Nachdem sich Menschen aus aller Welt für Havel eingesetzt hatten, kam er vier Monate später wieder frei.
 
1989 – die „samtene Revolution“
 
Erst im Herbst 1989 als in den sozialistischen Nachbarstaaten die Proteste der Menschen an den Regierungen immer lauter wurden, kam es auch in der Tschechoslowakei zu Massendemonstrationen. Bis zu 800.000 Bürger gingen allabendlich in Prag auf die Straßen und machten deutlich, dass sie diese Regierung nicht mehr weiter ertragen wollten. Nach wenigen Tagen gaben die alten Machthaber am 24. November nach. Man spricht aufgrund der Schnelligkeit und Friedlichkeit von der „samtenen Revolution“.
 
Havel wird Staatspräsident
 
Die Unterstützer der Charta 77 hatten über die Jahrzehnte hinweg Netzwerke gebildet, aus denen 1989 das „Bürgerforum“ und später viele demokratische Parteien hervorgingen. Am 29. Dezember 1989 wurde Havel zum Präsidenten der Tschechoslowakei gewählt und vom neu gewählten Parlament am 5. Juli 1990 bestätigt. Er hatte dieses Amt bis 1992 inne.
 
Nach der Trennung des Landes in die tschechische und die slowakische Republik wurde Havel im Januar 1993 zum Präsidenten der Tschechischen Republik gewählt. 2003 endete seine zweite und damit letzte mögliche Amtszeit. Nach 10 Jahren darf ein tschechischer Präsident nicht mehr erneut kandidieren.
 
Václav Havel erhielt eine Vielzahl von Preisen sowohl für sein literarisches Schaffen als auch für seinen Einsatz für Gerechtigkeit und Menschenrechte. Unter anderem den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1989) und den Internationalen Karlspreis der Stadt Aachen (1991).
 
Mehr über Demokratie erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 103 Demokratie.
 
 
Text: lm – 29.09.06, Foto: Wikipedia, GFDL.


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