Im September 2005 erschienen in einer dänischen Zeitung Karikaturen von Mohammed, dem Propheten des Islam. Jetzt demonstrieren aufgebrachte Menschenmassen in vielen islamischen Ländern, es gibt Tote und Verletzte. Dänische Fahnen werden verbrannt und die Botschaftsgebäude westeuropäischer Länder verwüstet. Was hat das alles miteinander zu tun?
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Zunächst wollen wir euch die Ereignisse rund um den Karikaturen-Streit auflisten. Im Anhang findet ihr einige Begriffserklärungen die mit diesem Thema zu tun haben.
Was bisher geschah:
2005 schreibt der Autor Kare Bluitgen ein Buch, in dem er Kindern das Leben des Propheten Mohammed erklären will. Er kann keinen Illustrator für das Buch finden. Alle Zeichner, die er fragt, haben Angst vor dieser Aufgabe. Sie fürchten sich vor den Reaktionen von Moslems. Schließlich verbietet der Islam Bilder seines Propheten (siehe Artikel:" Was versteht man im Islam unter dem Bilderverbot?").
Flemming Rose, der Kulturchef der größten dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten erfährt von der Angelegenheit. Er findet es skandalös, dass die Zeichner sich aus Angst selbst eine Zensur auferlegen – und eben keine Bilder von Mohammed anfertigen.
Aus diesem Anlass bittet er Karikaturisten (siehe Artikel: "Was ist eine Karikatur?") sich eine ironische Zeichnung zu diesem Thema einfallen zu lassen. Er bekommt zwölf Bilder, die er am 30. September 2005 in seiner Zeitung veröffentlicht. Nur einige der Bilder zeigen den Propheten.
Moslems beschweren sich: Die Karikaturen verletzen ihre religiösen Gefühle. Sie fordern eine Entschuldigung.
Oktober 2005: Zwei der Karikaturisten müssen untertauchen, da es Morddrohungen gegen sie gibt. Die Botschafter verschiedener moslemischer Länder verlangen eine Entschuldigung von Dänemarks Regierungschef Rasmussen. Dieser lehnt ab. Er habe keinen Einfluss auf die Presse, schließlich herrsche in Dänemark Meinungsfreiheit (Siehe Artikel: "Was versteht man unter Presse- bzw. Meinungsfreiheit?").
November-Dezember 2005: Einige dänische Moslems reisen in verschiedene arabische Länder und berichten dort von der angeblich islam-feindlichen Haltung der Dänen.
Januar 2006: Eine norwegische Zeitung druckt die Karikaturen nach.
Etliche islamische Länder schicken Protestbriefe an die dänische Regierung, in einigen Ländern wird zum Boykott dänischer Produkte aufgerufen. Das bedeutet, dass die Menschen keine Waren aus Dänemark mehr kaufen sollen um dem Land dadurch einen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen. Vor allem Milchprodukte aus Dänemark sind in arabischen Ländern sehr verbreitet.
Nachdem radikale Palästinenser ein EU-Büro im Gaza-Streifen (palästinensisches Gebiet am Mittelmeer) gestürmt haben und eine Entschuldigung fordern, erklärt der Chefredakteur von
Jyllands-Posten sein Bedauern. Vielen Moslems genügt diese Äußerung jedoch nicht. 17 Außenminister der Arabischen Liga verlangen, dass diejenigen, die für die Zeichnungen verantwortlich sind, bestraft würden.
Bombendrohungen gehen bei der dänischen und der norwegischen Zeitung ein.
Februar 2006: Etliche europäische Zeitungen drucken die Karikaturen nach, um zu zeigen, dass sie sich auch für die Meinungsfreiheit stark machen.
In Asien, dem Nahem Osten und Teilen Afrikas gehen viele Zehntausend protestierend auf die Straßen. Dabei werden als Zeichen der Verachtung häufig dänische Flaggen verbrannt. Während die Aktionen oft weitgehend friedlich verlaufen, kommt es in einigen Regionen zu Gewaltanwendung:
In Damaskus (Syrien) und Beirut (Libanon) werden Botschaftsgebäude europäischer Staaten in Brand gesteckt, die wütenden Protestanten verwüsten ganze Stadtteile. Auch in anderen Ländern werden die Büros westlicher Vertretungen angegriffen.
In Afghanistan werden vier Demonstranten bei Angriffen auf norwegische Soldaten getötet. Auch in anderen Ländern gibt es bei Unruhen Tote.
Die Karikaturen werden in den moslemischen Ländern nicht gedruckt, deshalb ist ihr tatsächliches Aussehen kaum bekannt. Das führt dazu, dass sich Gerüchte verbreiten, die die Zeichnungen weitaus schlimmer darstellen, als sie in Wirklichkeit sind. Das schürt die Wut der Protestierenden. Außerdem heißt es, in Dänemark würden Koranbücher verbrannt, was jedoch nicht der Fall ist.
Sowohl westliche als auch moslemische Regierungsvertreter versuchen die Lage zu stabilisieren und rufen dazu auf, keine Gewalt anzuwenden, aber die Ausschreitungen gehen weiter.