Die Frage der Woche: Wird es einmal menschenähnliche Roboter geben?
Jeden Samstag beantworten wir euch Fragen zu allen möglichen Themen. Heute fragt uns Anna B.: "Wird man langfristig Roboter bauen, die wie Menschen aussehen?" Hier erfahrt ihr die Antwort ...
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In Science-Fiction-Filmen gehören sie dazu: Roboter, die mehr oder weniger wie Menschen aussehen und sich auch so verhalten. Es gibt nette und böse Roboter - solche, die mit ihren Fähigkeiten den Menschen helfen, und solche, die ihnen schaden. Aber sind solche Maschinen tatsächlich nur Wunschvorstellungen von Drehbuchschreibern?
Rabbi Löw erweckt den Golem auf magische Weise zum Leben.
Von Menschen geschaffene Wesen gibt es schon lange in Märchen und der Literatur. Bekannt ist etwa der Golem, ein Wesen aus Lehm, das von einem Rabbi, einem jüdischen Geistlichen, magisch zum Leben erweckt wird. Der Begriff Roboter wurde 1921 erstmals vom tschechischen Schriftsteller Karel Čapek in seinem Stück "R.U.R" verwendet - das tschechische Wort "robota" bedeutet "(mühselige) Arbeit". Mit "Roboter" meinte Čapek schon damals menschenähnliche Wesen, die unsere Arbeit verrichteten.
Antike Automaten
Ein verkleideter Automat, der mechanisch ein Musikstück abspielte. Im Hintergrund ist ein ebenso mechanischer Schreiber zu sehen. Gebaut wurden diese Maschinen vom Uhrmacher Pierre Jaquet-Droz im 18. Jahrhundert.
Automaten gibt es schon seit dem Altertum. Als Automat bezeichnet man Vorrichtungen, die vorbestimmte mechanische Abläufe ausführen. Im 18. und 19. Jahrhundert gab es kunstvolle Ausführungen in Menschen- und Tiergestalt. Eine mechanische Ente ist bekannt, ebenso wie ein menschlich verkleideter Automat, der ein einfaches Musikstück abspielen oder eine Unterschrift auf ein Papier setzen konnte.
Mit dem Siegeszug der Computerchips und Fortschritten bei der Verkleinerung von mechanischen Bauteilen wurde auch der Bau von Robotern in unserem heutigen Sinne möglich. Auch sie sind zum Teil Automaten, etwa die schweißenden Industrieroboter in der Fertigung von Bauteilen für die Automobilindustrie.
Die Fortbewegung ist eine Herausforderung
Roboter, die nicht nur vorgegebene Abläufe stur wiederholen, sondern kompliziertere Aufgaben selbständig erfüllen, sind nicht so einfach zu konstruieren. Das fängt schon bei der Fortbewegung an: Man arbeitet an Robotern, die sich wie Insekten mit sechs Beinen fortbewegen, weil das viel einfacher ist, als zweibeinige Roboter zu konstruieren. Es gibt auch einen Roboter, der auf einer Kugel balanciert, weil auch das einfacher ist, als der aufrechte Gang.
Es wird an Robotern für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke geforscht, darunter Rettungsroboter, Transportroboter, Wachroboter und militärische Kampfroboter. Außerdem wird auch an Roboterfahrzeugen geforscht, die selbständig ihren Weg durch den Verkehr finden. Und beim jährlich stattfindenden RoboCup arbeiten Entwickler daran, Roboter zu bauen, die Fußball spielen. In der Königsklasse spielen zweibeinige Roboter, die im Jahr 2050 gegen eine menschliche Mannschaft antreten sollen.
Menschenähnliche Roboter
Bei der Frage nach menschenähnlichen Robotern muss man unterscheiden: Menschenähnlich im Aussehen oder menschenähnlich und damit also nach unseren Maßstäben intelligent im selbständigen Entscheiden und Handeln?
Hier wird der mit einer Silikonmaske verkleidete Kopf eines Roboters geschminkt.
An Robotern, die menschenähnlich aussehen, besonders im Gesicht, wird zur Zeit intensiv geforscht. Sie bestehen aus einer komplizierten Mechanik, die den vielfältigen Ausdruck menschlicher Mimik imitieren können. Auf menschliche Betrachter wirken sie teils erstaunlich real. Solche Maschinen bezeichnet man auch als Androiden, von den griechischen Wörtern "aner" = "Mann" und "eidos" = "Bild" abgeleitet.
Das liegt aber nicht zuletzt an den Gehirnen und der Wahrnehmungsfähigkeit von Menschen, deren besondere Stärke Gesichtserkennung und Mutmaßungen über den gezeigten Gefühlsausdruck ist. Das zukünftige Einsatzgebiet solcher Robotergesichter liegt unter anderem im Kontakt mit Menschen, etwa an Auskunftsschaltern in Flughäfen oder Bahnhöfen.
Intelligente Roboter?
Roboter zu bauen, die selbständig Entscheidungen treffen und intelligent handeln, ist ein großes Problem. In der Anfangszeit etwa um die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden die Schwierigkeiten in der Forschung zu künstlicher Intelligenz stark unterschätzt. Schon die Begriffe der Intelligenz und des Denkens sind schwer zu fassen. Klar ist, dass intelligentes Handeln mit Wissen über die Welt zu tun hat, sowie mit der Verarbeitungsgeschwindigkeit und Verarbeitungstiefe dieses Wissens.
Das heißt, je mehr man über die Welt, in der man lebt, weiß, und je schneller man dieses Wissen zielgerichtet und problemlösungsorientiert durchforstet und mögliche Querverbindungen erkennt, desto intelligenter ist man. Das gilt natürlich auch für Roboter. Dem Menschen ist die Fähigkeit, intelligentes Handeln zu erlernen, angeboren. Um Roboter entsprechend zu programmieren müssen Forscher erstmal Klarheit erlangen über die Bedingungen und Abläufe des Denkens. Und das ist eine ziemlich harte Nuss.
Zwei wichtige Erkenntnisse haben die KI-Forscher in den letzten Jahren gewonnen: Intelligentes Handeln braucht einen Körper und eine Auseinandersetzung mit der Umwelt. Man spricht auch von "Embodiment" (eng. für "Verkörperung"). Ein Programm, das aus sich heraus einfach so "intelligent" ist, gibt es nicht.
Die andere Erkenntnis ist, dass auch Gefühle eine wichtige Rolle beim intelligenten und vernünftigen Handeln spielen. So weiß man von Menschen, deren emotionales Zentrum im Gehirn geschädigt ist. Sie sind nicht mehr in der Lage aus Fehlern zu lernen und sich sozial angemessen zu verhalten. Gefühle sind zum einen körperliche Markierungen für Erinnerungen und schon mal Erlebtes und zum anderen auch grundsätzliche Leitplanken des Denkens und Handelns, wie etwa Ekel. Zukünftige selbständige Roboter werden also sehr wahrscheinlich digitale Gefühle haben - von denen wir niemals wissen werden, wie die Maschine sie erlebt.
Der Roboter Asimo der Firma Honda. Er ist nach Isaac Asimov, einem visionären Science-Fiction Schriftsteller benannt. Er kann zwar Treppensteigen, braucht aber noch die Unterstützung mit einer Fernbedienung.
Die drei Robotergesetze
Die nächste Frage ist: Wie selbständig sollen solche Roboter denn einmal sein dürfen? Ihre Handlungen sind dann nämlich im eigentlichen Sinne nicht mehr vorherzusehen, so wie auch jeder Mensch im Prinzip in seinem Verhalten unberechenbar ist.
Der Schriftsteller Isaac Asimov hat sich dazu 1942 die drei Robotergesetze einfallen lassen. Sie lauten:
1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen wissentlich verletzen oder durch Untätigkeit zulassen, dass einem menschlichen Wesen wissentlich Schaden zugefügt wird.
2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, so lange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert.
Die Frage, ob man eines Tages menschenähnliche Roboter bauen wird, lässt sich also ziemlich sicher mit Ja beantworten. Wann es aber so weit sein wird, und wie menschenähnlich sie sein sollten, ist noch unklar und bedarf gesellschaftlicher Diskussion.
Übrigens ...
Angepasste Aibo-Hunde spielen beim RoboCup in einer speziell für sie eingerichteten Liga.
In Japan hat man viel weniger Berührungsängste gegenüber Technologie im Allgemeinen und insbesondere Robotern. Dort wird auch mit Robotern in der Altenpflege experimentiert und es gibt Roboter, die wie eine kuschelige Robbe aussehen und in einfachen Sätzen kommunizieren können. Auch der Roboterhund Aibo und seine Nachfolger stammen aus Japan. Man denke auch an das digitale Haustier Tamagochi.
Dieser unbefangene Zugang zu Technologie hat seine Wurzeln in der japanischen Religion, dem Shintoismus. Der geht im Kern von einer grundsätzlichen Beseeltheit der Dinge aus, dazu gehören dann eben auch Roboter, so dass man diese gar nicht als kalte und herzlose Maschinen wie bei uns wahrnimmt.
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