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Natur & Tiere / Artikel

Die Frage der Woche: Wie entstehen neue Tierarten?

Jeden Samstag beantworten wir euch Fragen zu allen möglichen Themen. Heute fragt uns Jonas W. aus Liers: Wie entstehen neue Tierarten?" Hier erfahrt ihr die Antwort ...

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Viele Weltreligionen gehen davon aus, dass die Entstehung neuer Lebewesen durch einen einmaligen Schöpfungsakt vollzogen wurde.
 
Auch Forscher waren früher davon überzeugt, dass es keinen Artenwandel und somit auch keine neue Artenentstehung gibt.

Fossilienfunde wurden entweder ignoriert oder durch das Auftreten von großen Katastrophen erklärt.

 
Die frühe Wissenschaft ging davon aus, dass es einst andere Tierarten gegeben hat, diese jedoch durch riesige Katastrophen vernichtet wurden. Die Tiere welche die Katastrophen überlebt hatten konnten auch weiterhin fortbestehen und bevölkerten die Erde erneut.
 
 
Überleben durch Wandel

LamarckDiese Auffassung wurde schließlich durch Jean Baptiste de Lamarck (1744 - 1829) in Frage gestellt. Er ging davon aus, dass Tiere nicht – wie angenommen – immer gleich sind, sondern einem ständigen Wandel unterliegen.


Seiner Meinung nach mussten Tiere sich ihren Umweltbedingungen in kleinen Schritten anpassen um überleben zu können.

 
Dies erfolgt durch einen inneren Instinkt zur Perfektion und führt nach Lamarck dazu, dass manche Tiere bestimmte Organe entwickeln um in ihrer Umgebung überleben zu können und diese dann an ihre Nachkommen weitervererben.


Geografische Extreme

kamel2.jpgSo haben Tiere in Wüstenregionen spezielle Organe zur Wasserspeicherung, wohingegen Tiere in Polargebieten statt dessen Organe zur Wärmespeicherung besitzen.

Nach Lamarck hätten z.B. die Wüstentiere durch die extreme Hitze sehr viel getrunken. Durch das viele Trinken entwickelten sich schließlich spezielle Organe zum Speichern von Wasser.


Vorläufer der Evolutionstheorie

DarwinObwohl Lamarcks Annahmen der Evolutionstheorie zumindest in Ansätzen ähnelt, so konnte er seine Theorie damals nicht beweisen und die Entstehung neuer Arten war weiterhin ein Rätsel. Auch ein Beweis für einen Vervollkommnungstrieb bei Tieren wurde bis heute nicht gefunden.

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin revolutionierte schließlich die Annahmen der Entstehung neuer Tierarten.


Finken auf den Galapagos-Inseln

IwiAufgrund der späten Entdeckung der Galapagosinseln durch den Menschen, konnten sich die dortigen Tiere ohne menschliches Eingreifen entwicklen.

Charles Darwin beobachtete dort eine Reihe verschiedener Tierarten und wurde vor allem auf die Finken, eine spezielle Vogelart, aufmerksam.

Jeder dieser Finken ernährt sich unterschiedlich und hat eine andere Schnabelform, um ihre spezifische Nahrung perfekt verzehren zu können. Diese und andere seiner Beobachtungen führten schließlich zu Charles Darwins Evolutionstheorie.


Bausteine des Lebens

In dieser Theorie geht Darwin unter anderem davon aus, dass Tiere einer Art untereinander nicht gleich sind sondern sich geringfügig voneinander unterscheiden.

Diese Unterscheidung entsteht durch eine Vielzahl von verschiedenen Genen. Gene bestimmen das Aussehen, das Verhalten und vieles mehr von Tieren, Pflanzen und Menschen.

Ob ein Mensch blonde oder braune Haare, lange oder kurze Finger hat wird von seinen Genen bestimmt. Sie bestimmen also auch unser menschliches Leben bis ins kleinste Detail. Des Weiteren können Gene innerhalb einer Art miteinander kombiniert werden, wodurch neues Erbgut entsteht. Das Erbgut wiederum bezeichnet die Gesamtheit aller Gene eines Lebewesens und sorgt dafür, dass sich alle Lebewesen geringfügig voneinander unterscheiden.


Vielfalt der Erbanlagen

Gene bilden eine wichtige Grundlage für das Entstehen neuer Tier- und Pflanzenarten.

WolfDoch nicht nur die Kombination von Genen sogt für die Artenvielfalt, sondern auch die Möglichkeit, dass sich einzelne Gene willkürlich und zufällig verändern können.

Neue Arten enstehen somit im Laufe von langen Zeiträumen sowohl durch die zufällige Veränderung der Gene als auch durch das ständige Weitervererben von neuem Erbgut.


Auslese und Zucht

Neue Tierarten entstehen außerdem durch die Selektion. Die Selektion, auch Auslese genannt bestimmt wie stark ein Tier ist:


Kann ein Tier in der Wüste überleben oder wird es verdursten? Kann das Tier in Polargebieten der Kälte trotzen oder wird es erfrieren? Ob ein Tier überlebt hängt von den jeweiligen Umweltfaktoren in dem Gebiet in dem es lebt ab.

MopsEine weitere Form der Auslese ist die Zucht. Hierbei findet eine künstliche Selektion durch den Menschen statt.
 
So gibt es zum Beispiel zahlreiche Hundearten, die nur durch jahrelange künstliche Züchtungen entstanden sind und in der Natur so nicht vorkommen würden.


Veränderte Lebensräume

Weitere Möglicheiten für eine Auseinanderentwicklung in zwei Arten sind die räumliche Trennung und die oftmals dadurch einhergehende Veränderung von Gewohnheiten.

So essen im Wald lebende Tiere zum Beispiel bestimmte Früchte oder Insekten. Entfernt der Mensch nun diesen Wald und baut dort eine Stadt, müssen sich die Tiere nun entweder aus dieser Region entfernen und einen neuen Wald suchen oder sie bleiben dort und gewöhnen sich an das Leben in der Stadt.
 
Beschließt ein Teil der Tiere in der Stadt zu leben und ein anderer Teil umzuziehen, so wird diese Tierart voneinander getrennt.

Die in der Stadt verbliebenen Tiere müssen sich nun auf einen neuen Lebensraum einstellen. So können die Vögel in der Stadt kaum noch Früchte essen, sondern müssen stattdessen andere Nahrung, wie zum Beispiel Essensreste (z.B. Brotkrümel) des Menschen suchen.

 
 
Das Wildschwein im Komposthaufen


WildschweineAuch Wildschweine haben die Stadt als Lebensraum entdeckt. In München und Nürnberg ärgern sie Gartenbesitzer, wenn sie Beete umpflügen und im Komposthaufen wühlen.
 
Mehr über Wildschweine in der Stadt erfährst du in einem anderen Artikel, wenn du unten auf den entsprechenden Link klickst.



Anpassung oder Untergang

Damit ein Vogel, der einst Früchte gegessen hat nun vermehrt Brotkrümel essen kann, benötigt er zum Beispiel einen anderen Schnabel, mit dem er diese neue Nahrung besser aufnehmen kann.

Diese neue Schnabelform erhält ein Vogel durch die Veränderung der Gene. Dieser Prozess verläuft jedoch nicht von heute auf morgen, sondern es dauert mehrere Generationen, bis der erste Vogel mit einer neuen Schnabelform geboren wird.

Durch die genetische Vielfalt, führt diese Veränderung der Essgewohnheiten schließlich dazu, dass sich die Tiere verändern. So enstehen aus einst gleichen Tieren zwei unterschiedliche Arten. Eine lebt nach wie vor in einem Wald und isst vor allem Früchte, wohingegen die andere in der Stadt lebt, Essensreste des Menschen als Hauptnahrungsquelle verzehrt und dadurch über viele Jahre hinweg einen neuen Schnabel bekommt.


Text: RR, Stand: 1. 6. 2011, Bilder: Lamarck, Darwin, Iwi (alle PD), Kamel (Denis Katzer), Wolf (Bernard Landgraf, GFDL), Mops (Xidrep, cc-by-sa 3.0), Wildschwein (Alois Bembel, GNU-FDL)





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