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Wer das heutige Indien sieht, kann sich kaum noch vorstellen, dass es vor rund 150 Jahren noch ein islamischer Staat gewesen ist. Das Mogulreich existierte von 1526 bis 1858. Das Kernland des Reiches lag im Norden, in der Indus-Ganges-Ebene um die Städte Delhi, Agra und Lahore. Staatssprache war Persisch. Die Herrscher wurden als Mogul, Großmogul oder Mogulkaiser tituliert. Der Name „Mogul“ als Bezeichnung für die Herrscher Nordindiens leitet sich aus dm Persischen ab und bedeutet „Mongole“. Im Rang steht der Mogul über dem König und entspricht dem eines Kaisers.
Nach Jahangirs Tod 1627 eroberte Shah Jahan den Thron, indem er alle weiteren Thronprätendenten ermorden ließ. Er gilt als glanzvollster Mogulherrscher. Unter seiner Herrschaft erreichte die Hofhaltung den Höhepunkt ihrer Prachtentfaltung, und die Architektur im indisch-islamischen Mischstil gelangtezu höchster Blüte. Das bekannteste Mogulbauwerk, das Taj Mahal in Agra, entstand als Grabmal für Shah Jahans Frau Mumtaz Mahal, ebenso eine Vielzahl weiterer herausragender Baudenkmäler. Die letzten Jahre seiner Herrschaft waren von der Rivalität zwischen Shah Jahans Söhnen Aurangzeb und Dara Shikoh um die Thronfolge geprägt. Später nahm Aurangzeb seinen Vater gefangen, der 1666 im Gefängnis starb. Nachdem Aurangzeb auch seinen Bruder Murad hatte festsetzen lassen, rief er sich noch im selben Jahr zum Kaiser aus.