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Im Internationalen Polarjahr erforschen mehr als 50.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus über 60 Ländern die Polargebiete. Ihr Ziel ist es, die Rolle der Arktis und Antarktis für das Klima und die Ökosysteme der Erde zu untersuchen. Deutschland hat mit dem weltweit leistungsfähigsten Forschungseisbrecher Polarstern, mehreren Polarstationen und zwei Polarflugzeugen sehr gute Voraussetzungen, um in der Arktis und Antarktis zu forschen.
Die deutschen Beiträge werden vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung organisiert und koordiniert. Dieses Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Zudem stellt es wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.
Nie wurde eine so geringe Ausdehnung und Dicke des arktischen Meereises gemessen wie im letzten Sommer. In der Antarktis haben Meeresbiologen erstmals systematisch die Artenvielfalt von der Oberfläche bis zum Meeresboden untersucht und dabei unter anderem bislang völlig unbekannte Arten entdeckt. Geologen und Geophysiker rekonstruieren die Topographie der Polargebiete in früheren Zeiten bis heute. Kennt man die Meerestiefe und die topographischen Hindernisse, so kann man die Meeresströmungen und damit auch die Klimaverhältnisse in den jeweiligen Erdzeitaltern berechnen. Sedimentkerne aus dem Meeresboden unter dem Antarktischen Schelfeis geben Einblicke in 20 Millionen Jahre Klimageschichte. „Diese Daten sind wichtig um Vorhersagen zu treffen, wie sich das Eis der Antarktis bei einer weiteren Klimaerwärmung verhalten wird“, so Dr. Gerhard Kuhn, Geologe am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und Koordinator des deutschen Anteils am Projekt.
Die Eisschilde, Landmassen und Ozeane der Polargebiete sind noch nicht richtig erforscht. Nachholbedarf herrscht vor allem deshalb, weil man heute weiß, dass diese eisigen Regionen eine Schlüsselstellung im globalen Klimageschehen haben. So führen physikalische Prozesse im polaren Atlantik zum „Ansaugen“ von warmem Ozeanwasser aus niederen Breiten. Das wiederum beeinflusst das Klima und die Lebensbedingungen bei uns. Dehnt sich das Sonnenstrahlen reflektierende Meereis aus, so beeinflusst das wiederum den Wärmehaushalt der Erde.
In der Erdatmosphäre steigt die Konzentration von Treibhausgasen, vom Menschen produziert, ständig an. Besonders in den sensiblen Polargebieten kann man die Auswirkungen erkennen. Antarktisches Schelfeis und Gletscher schmelzen, polares Meereis geht zurück. Damit verändert sich unsere Biosphäre. Würden die verbliebenen Eismassen zerfließen, würde der Meeresspiegel so hoch steigen, dass die meisten stark bevölkerten Küstenregionen bedroht wären. Im Internationalen Polarjahr werden die Kräfte vieler Länder gebündelt und das gemeinschaftliche Forschungsinteresse den nationalen Interessen vorangestellt. Alle Polarjahr-Projekte haben erklärt, dass sie ihre Daten archivieren und der internationalen Wissenschaft zur Verfügung stellen werden.
www.awi-bremerhaven.de
http://www.ipy.org/

Mehr über Polargebiete kannst du im gleichnamigen
WAS IST WAS Band 36 lesen.