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Geschichte / artikel

Neustart in der Ferne - Deutsche Auswanderer zwischen 1820 und 2005

Die Gründe die jemanden zum Auswandern bewegen, sind so vielfältig wie der Mensch selbst. In der Vergangenheit verließen viele nicht freiwillig ihr Land, sondern wurden durch politische, religiöse oder finanzielle Gründe dazu gezwungen. Oft trennten sich ganze Familien von ihrer Heimat, um fernab ohne Angst vor Verfolgung oder Geldsorgen leben zu können.

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Zwischen 1820 und 1920 suchten etwa 5,5 Millionen Deutsche auf der anderen Seite des Atlantiks ihr Glück. In dieser Zeit wurde Deutschland von Ernteausfällen, wirtschaftlichen Turbulenzen und Massenarbeitslosigkeit heimgesucht und so kam es, dass im Jahre 1853 erstmals mehr als 200.000 Deutsche in die USA emigrierten (auswanderten). Auch als Amerika selbst vom Bürgerkrieg (1861-1865) erschüttert wurde, wagten beinahe 30.000 Deutsche die Reise in die Neue Welt. Denn dort standen trotz Krieg die Chancen, auf Dauer ein sorgenfreies Leben zu führen, deutlich besser. Auch der Erste Weltkrieg (1914-1918) sorgte dafür, dass in dieser Zeit viele Deutsche ihrem Heimatland den Rücken kehrten und in der Hoffnung auf Frieden und Wohlstand in den Vereinigten Staaten ansässig wurden.
 
stern2.jpgDie Flucht ins Ausland
 
Auch heute lassen sich noch die Folgen der Massenauswanderung deutlich erkennen. Viele Deutsche haben Verwandte im Ausland, von denen heute, nach einigen Jahrzehnten, wieder einige in ihre alte Heimat zurückkehren. Bei vielen war die Bedrohung durch das Regime des Dritten Reiches Grund für die Emigration. Die Verfolgung der Juden, die Angst gefangen genommen und in den Konzentrationslagern hingerichtet zu werden, bewirkte, dass viele von ihnen in die USA flohen, um den Gräueltaten der Nazi-Diktatur zu entkommen.
 
reichstag5.jpgPerspektive jenseits des Atlantik
 
Amerika ist und war der Traum vieler Auswanderer. In das so genannte Land der unbegrenzten Möglichkeiten wanderten mehr Deutsche aus, als in jeden anderen Staat. Während der ersten Auswanderungswellen wurden Ausländer dort mit offenen Armen empfangen, denn in den rasant wachsenden Städten gab es Arbeit und es stand jedem genügend Land zur Verfügung um sich niederzulassen. Als die Zahl der Aussiedler jedoch im Laufe der Jahrzehnte immer mehr anstieg, wurde auch in Amerika die Zuwanderung beschränkt. Auf Ellies Island, einer kleinen Insel vor New York, wurden deswegen alle Einwanderer registriert und bei Bedenken der Behörden zurückgeschickt. Insbesondere Kranke und politisch Andersdenkende mussten mit dem nächsten Schiff wieder abreisen.
 
emigration2.jpgLeinen los – in eine bessere Zukunft
 
Eine der wichtigsten Stationen für deutsche Emigranten war Bremerhaven, denn von dort aus fuhren regelmäßig Schiffe nach New York. Jedoch lässt sich die Überfahrt in die Vereinigten Staaten damals kein bisschen mit einer Kreuzfahrt von heute vergleichen. In den Anfängen des Linienverkehrs dauerte die Seereise sechs bis zehn Wochen und das unter schlimmsten Bedingungen. Hunderte Menschen drängten sich in engen, stickigen Zwischendecks und kleinen Kabinen. Es gab keine sanitären Einrichtungen und es brachen schnell Krankheiten aus, sodass nicht alle Passagiere die Reise überlebten.
 
Das neu eröffnete deutsche Auswandererhaus in Bremerhaven dokumentiert die Schicksale von Menschen aus der Zeit von 1830, als der erste Emigrant von dort abreiste, bis hin zum letzten Auswanderer der sich im Jahre 1974 mit dem Schiff auf den Weg machte. Anders als in vielen anderen Museen versucht man in Bremerhaven den Besucher selbst auf die Reise zu schicken, ihn die Turbulenzen einer solchen Fahrt nachempfinden zu lassen. Zeitzeugen haben hierzu viele Erinnerungen, Fotos und Dokumente beigetragen.
 
Sehnsucht nach der Heimat
 
Noch vor einhundertfünfzig Jahren war es beinahe unmöglich die Verwandten in der Heimat zu besuchen. Das verdiente Geld wurde ja benötigt um die neue Existenz aufzubauen, womit die gefährliche Fahrt über den Ozean für die meisten unerschwinglich blieb. Die einzige Möglichkeit der Kommunikation war daher der Briefwechsel. Heute ist das Leben im Ausland etwas einfacher und auch der Kontakt in die Heimat wesentlich komfortabler. Telefon und E-Mail lassen die Distanz zur Familie beinahe verschwinden und auch plötzliches Heimweh stellt dank Flugzeug kein großes Hindernis mehr dar.
 
Trotzdem ist es auch heute noch eine Herausforderung das Leben im Ausland zu meistern. Wie vor einhundert Jahren sind die Emigranten von heute bemüht, die fremde Sprache zu erlernen und durch Arbeit ihr neues Leben zu finanzieren. Das erfordert viel Mut. Aber gerade heute, in einer Zeit in der vielen Deutschen die Arbeitslosigkeit droht, ist die Zahl derer, die sich im Ausland eine neue Zukunft aufbauen wollen, stark gestiegen. Mit 150.000 Emigranten im Jahr 2004 hatte die Bundesrepublik die höchste Auswanderungs-Quote seit Ende des 2. Weltkrieges zu verzeichnen.
 
Wer sich für den beschwerlichen Weg der ersten Emigranten in die USA interessiert, der sollte dem Deutschen Auswandererhaus in Bremerhaven einen Besuch abstatten. Infos gib es auf der Webseite des Museums unter www.dah-bremerhaven.de/german/hauptseite.html
 
JuJo - 15.08.2005 / Fotos: wikipedia.de


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