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Geschichte / artikel

Prager Fenstersturz: So begann der Dreißigjährige Krieg

Als „Dreißigjähriger Krieg“ bezeichnet man eine Reihe von militärischen Auseinandersetzungen zwischen 1618 und 1648, an denen die meisten Staaten Westeuropas beteiligt waren und die hauptsächlich auf deutschem Boden ausgetragen wurden. Als Auslöser gilt der so genannte „Zweite Prager Fenstersturz“.

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fenstersturz1Links: Dieses Bild vom Prager Fenstersturz wurde lange nach dem eigentlichen Ereignis angefertigt.
 
Zu dem Zwischenfall kam es, weil Vermittler aus dem katholischen Hause Habsburg und böhmische Protestanten bei Verhandlungen in Streit gerieten. Die Böhmen wehrten sich dagegen, dass die freie Religionsausübung in ihrem Land immer mehr beschnitten wurde.
 
Katholiken gegen Protestanten
 
So war die Situation auch im restlichen Reich. Die konfessionellen Gegensätze waren schon seit langem zum Problem geworden. Besonders verschärft hatten sich die religiösen Spannungen durch die Herrschaft Kaiser Rudolfs II. (1576 – 1612) und sein Vorhaben, das deutsche Herrschaftsgebiet nach der Reformation wieder katholisch zu machen (= Gegenreformation). Mit der Bildung der „Union“ (1608), einem Bündnis protestantischer Fürsten und Städte im Reich und der „Liga“ (1609), einem vergleichbaren Zusammenschluss der Katholisch-Kaiserlichen, hatten sich die Fronten weiter verhärtet. Eine friedliche Lösung des Konflikts schien kaum mehr möglich.
 
Der Konflikt führt zum Krieg
 
fenstersturz_gebaeudeRechts: An einem dieser Fenster des alten Prager Königspalais muss der Fenstersturz stattgefunden haben.
 
Mit dem „Prager Fenstersturz“ eskalierte die Situation. Aus Wut über die strikte Haltung der Verhandlungspartner, warfen die protestantischen Böhmen drei Angestellte des Kaisers aus einem Fenster der Burg Hradschin. Die Verwaltungsbeamten blieben unversehrt - sie landeten auf einem Misthaufen und kamen mit einem Schrecken davon. Doch für Europa hatte dieses Ereignis weitreichende Folgen: der Böhmisch-Pfälzische Krieg brach aus und markierte den Beginn des Dreißigjährigen Kriegs.
 
Kampf um die Vorherrschaft in Europa
 
Zu Beginn drehten sich die Auseinandersetzungen, wie gesagt, vor allem um konfessionelle Gegensätze. Mit der Zeit zog der Konflikt auch nichtdeutsche Anhänger der konkurrierenden protestantischen und katholischen Parteien an: Der Krieg weitete sich aus. Im Laufe der Jahre traten die religiösen Probleme immer mehr in den Hintergrund. Machtpolitische Fragen dominierten und bestimmten von nun an den Verlauf und Charakter des Krieges.
 
Vor allem Schweden und Frankreich mischten sich in die Kriegshandlungen ein und machten dem Haus Habsburg seine Vorherrschaft in Europa streitig. Historiker teilten den Verlauf des Krieges - je nach Teilnehmern und Schwerpunkten - in vier Phasen ein: in den Böhmisch-Pfälzischen Krieg (1618-1624), in den Dänisch-Niedersächsischen Krieg (1625 – 1630), in den Schwedischen Krieg (1630-1635) und in den Französisch-Schwedischen Krieg (1636 - 1648).
 
Verheerende Folgen
 
Der Dreißigjährige Krieg sollte einer der verheerendsten Europas werden. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen waren enorm und das Reich Hauptleidtragender der Militärhandlungen. Schätzungen zufolge ist die deutsche Gesamtbevölkerung während der Kriegsjahre um ein Drittel zurückgegangen. Außer den großen Hafenstädten wie Hamburg und Bremen kam die gesamte Wirtschaft im Land zum Erliegen. Die Neuorganisation und der Wiederaufbau des Landes erforderte eine straffe Organisation, was die Entwicklung des absolutistischen Staatswesens in Deutschland beschleunigte.
 
Der Westfälische Friede
 
rathaus_muensterLinks: Im Historischen Rathaus in Münster wurde der Westfälische Friede besiegelt.
 
Beendet wurden der „Dreißigjährige Krieg“ am 24. Oktober 1648 in Münster und Osnabrück durch den „Westfälischen Frieden“. In einem Abkommen wurde das Ende der Kriegshandlungen zwischen Kaiser und Reich, Schweden und Frankreich sowie ihren jeweiligen Verbündeten festgelegt.
 
Wichtige Folgen: die Macht des Kaisers wurde zugunsten der einzelnen Reichsstände eingeschränkt, das Reich in souveräne Einzelstaaten aufgesplittert. Frankreich ging aus dem Krieg gestärkt hervor. Die Religionsstreitigkeiten waren 1648 endgültig beigelegt. Deshalb kennzeichnet das Ende des Dreißigjährigen Krieges auch den Beginn einer überkonfessionellen, der Vernunft verpflichteten Politik.
 
Mehr im Netz
 
Ihr wollt mehr über den Dreißigjährigen Krieg wissen? Hier könnt ihr den genauen Verlauf der einzelnen Kriegsphasen nachlesen. Außerdem interessante Infos zu wichtigsten Persönlichkeiten dieser Zeit.
 
 
Nic – 21. Mai 2003 / Foto: Historisches Bild: PD; Gebäude: Ralf Engelberger: GFDL; Rahaus Münster: Florian Adler: GFDL. 

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