Die Frage der Woche: Was ist Moral? Und was bedeutet Ethik?
Jeden Samstag beantworten wir euch Fragen zu allen möglichen Themen. Heute fragt uns Hilmye D. aus Buseck: "Was ist Moral? Und was bedeutet Ethik?" Hier erfahrt ihr die Antwort ...
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Früher hat man sich auf die Bibel bezogen, um Fragen nach Werten und richtigem Handeln zu beantworten.
Spätestens seit Immanuel Kant und der Aufklärung verlassen sich die Menschen aber weniger auf das vermeintliche Wort Gottes, sondern sie versuchen, mit Hilfe ihres Verstandes solche Fragen zu lösen.
Moral
Moral geht auf das lateinische Wort "moralis" zurück, das soviel wie "die Sitte betreffend" heißt. Eine Sitte ist eine menschliche Umgangs- bzw. Verhaltensform, auch Gepflogenheit genannt.
Zum einen beschreibt Moral hauptsächlich Handlungen, die ein Mensch oder eine Gesellschaft von anderen Mitmenschen erwartet. Moral soll also dafür sorgen, dass Menschen ein bestimmtes Verhalten an den Tag legen.
So gilt beispielsweise die linke Hand im indischen Kulturkreis als unrein. Begrüßt man dort eine Person mit der linken Hand, ist das ein Verstoß gegen die kulturellen Sitten dieser Gesellschaft und somit streng genommen ein unmoralisches Verhalten.
Außerdem kann Moral auch als das Gegenteil von bösen Handlungen angesehen werden. In diesem Fall spricht man dann von "moralisch gut" und beschäftigt sich vor allem damit, was der Mensch als richtiges, gutes oder gerechtes Handeln ansieht.
Hilfst du einen Konflikt zwischen Schulkameraden friedlich, also ohne Gewalt zu schlichten, dann ist das eine moralisch gute Handlung.
Moral kann sich folglich sowohl auf die Sitten einer Gesellschaft, als auch auf die Taten einer Person beziehen.
Auf dem Foto nebenan siehst du Papst Benedikt XVI. Er gilt als oberste moralische Instanz der Katholiken. Auf andere Kulturkreise können seine Ansichten jedoch nicht direkt übertragen werden. Gerade in der Sexualmoral sind seine Ansichten auch in unserer Kultur sehr umstritten. So fördert die Ablehnung von Kondomen die Ausbreitung von AIDS, insbesondere in Afrika. Der Papst sagt, statt Kondome zu verwenden, sollten nur verheiratete Menschen miteinander schlafen und sich treu sein. So würde seiner Auffassung nach ebenfalls die Ausbreitung von AIDS gestoppt. Grundlage solcher päpstlichen Aussagen ist die Bibel.
Ethik
Der Begriff "Ethik" stammt aus dem altgriechischen "ēthikē", das soviel wie "das Verständnis vom Sittlichen" bedeutet.
Die Ethik beschäftigt sich mit dem moralischen Handeln der Menschen und ist eines der großen Teilgebiete der Philosophie (Philosophie kommt aus dem Griechischen und heißt wörtlich "Liebe zur Weisheit". Die Philosophie versucht die Welt und die menschliche Existenz zu deuten und zu verstehen.). Die Ethik ist sozusagen die Lehre von der Moral, so wie die Biologie die Lehre von den Lebewesen ist.
Ethik versucht vor allem Kriterien für gutes und schlechtes Handeln aufzustellen und die Folgen, die durch gute oder schlechte Taten entstehen, zu bewerten. Das Ziel der Ethik ist also das Aufstellen von allgemeingültigen Regeln und Werten, damit Menschen friedlicher zusammenleben können. Werte oder Wertvorstellungen sind Vorstellungen über Eigenschaften, die beispielsweise Dingen, Ideen oder Beziehungen zugeordnet werden.
Dabei versucht die Ethik dem Menschen eine Art Anleitung zu geben, damit dieser in einer bestimmten Situation richtig beziehungsweise gut handelt. Um das zu erreichen, versucht die Ethik Antworten auf verschiedene Fragen zu geben.
Stell dir vor, einer deiner Freunde lügt einen anderen deiner Freunde an und du weißt davon. Nun stellst du dir selbst die Frage: Was soll ich tun?
Du hast mehrere Möglichkeiten: Erstens – du sagst nichts und deckst die Lüge. Zweitens – du erzählst deinem Freund, dass er angelogen wurde oder drittens – du sprichst deinen Freund darauf an, dass sein verlogenes Verhalten deinem anderen Freund gegenüber nicht richtig ist und drängst ihn dazu, die Wahrheit zu sagen.
Die dritte Antwort scheint auf den ersten Blick die zu sein, die ethisch richtig ist. Aber auch das hängt stark von der Situation ab. Vielleicht hat dein Freund gelogen, um den anderen Freund zu beschützen oder dein Freund der angelogen wurde, wäre sehr traurig, wenn er die Wahrheit erfahren würde.
Die Antwort auf diese scheinbar so einfache Frage ist also häufig gar nicht so leicht. Genau zu diesem Problem, nämlich die richtige Antwort zu finden und dementsprechend zu handeln, versucht die Ethik Lösungen anzubieten.
Was unterscheidet Ethik von Moral?
Moral hat ihren Ursprung oft in einem unbestimmten Gefühl wie Hass, Angst oder Ekel. Moral hängt auch von der Gesellschaft ab, in der man lebt: Sie ist die Summe der Werte und Vorstellungen, die die meisten Menschen für richtig empfinden, ohne dafür weitere Gründe angeben zu können - das was sich "richtig" anfühlt, ist moralisch und das unterscheidet sich von Weltregion zu Weltregion zum Teil erheblich.
Ethik dagegen versucht, die aufgestellten Regeln logisch zu begründen. Ethik kann man auch als Nachdenken über Moral bezeichnen.
Text:RR/JJ, Stand: 20. 1. 2012, Bilder: Papst in Weiß: Tadeusz Górny (pd),