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Geschichte / artikel

Internationaler Tag der indigenen Völker

Seit 1994 wird am 9. August an das Schicksal der indigenen Völker erinnert. Rund 350 bis 400 Millionen Menschen gehören weltweit zu den indigenen Völkern. Das sind Völker wie etwa Indianerstämme in Amerika oder Aborigines in Australien, die schon seit sehr langer Zeit dieses Land bewohnen und die von anderen Menschen, die ihr Land später entdeckten, verdrängt und benachteiligt wurden und werden.

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Die meisten indigenen Völker sind ihrer traditionellen Lebensweise treu. Damit sind sie oft abhängig von ihrem Lebensraum und von dessen Rohstoffen.


Wo gibt es indigene Völker?
 
inuit_frauenFoto: Junge Inuit-Frauen im Amauti (Frauen-Parka mit Kapuze).
 
Insgesamt gibt es zwischen 350 und 400 Millionen Menschen, die zu 5000 indigenen Völkern gehören. Am bekanntesten sind Indianer in Amerika und Kanada sowie die Inuit im hohen Norden, die früher Eskimos genannt wurden.
 
In Südamerika stellen indigene Volksgruppen in einigen Ländern sogar einen Großteil der Bevölkerung dar, so in Bolivien und Ecuador. Seit 2006 ist in Bolivien mit Evo Morales erstmals ein Mitglied eines indigenen Volkes Staatspräsident dieses Landes geworden.
 
adivasi_tanzFoto: Adivasi führen traditionellen Tanz auf.
 
In Indien leben rund 600 Stämme der Adivasi genannten „Ureinwohner“. In Russland gehören zahlreiche Völker Sibiriens zu den indigenen Volksgruppen. In Neuseeland sind es die Maori, in Australien die Aborigines und im Norden Skandinaviens die von der Rentierzucht lebenden Samen / Saami. Die früher gebräuchliche Bezeichnung „Lappen“ empfinden die Saami als herabsetzend.
 
tuareg
Links: Tuareg-Männer.
 
In den afrikanischen Sahara-Staaten gibt es rund eine Million Tuareg. Das sind nomadisch, also nicht sesshaft lebende Viehzüchter.
 

Mit welchen Problemen haben indigene Völker zu kämpfen?
 
same_rentierFoto: Same in traditioneller Bekleidung mit Rentier. Viele Wälder im Norden Skandinaviens, in denen die Rentiere der Samen leben, werden für die Holzproduktion genutzt. Dadurch kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen den Samen und den Holzfirmen.
 
Fast überall leiden indigene Völker darunter, dass sie von der Mehrheit der in ihrem Land lebenden Menschen unterdrückt oder auf unterschiedliche Weise an den Rand gedrängt werden. In Amerika begann diese Auseinandersetzung mit der „Entdeckung“ des Kontinents durch Christoph Kolumbus.
 

Indianer
 
yanomamiFoto: Auch der Lebensraum der südamerikanischen Yanomami-Indianer ist bedroht.
 
Bis dahin hatte das gesamte Land den Indianern gehört. Dann kamen immer mehr europäische Siedler, schleppten Krankheiten ein und vertrieben und ermordeten einen großen Teil der dort ansässigen Bevölkerung im Laufe von etwa 300 Jahren.
 
Heute gibt es in Nordamerika noch 2 Millionen Indianer. Viele von ihnen leben in so genannten Reservationen, abgegrenzten Bereichen, die die Weißen ihnen zugewiesen haben. Viele von ihnen sind jedoch sehr arm, die Arbeitslosigkeit und Verbrechensrate ist hoch.
 

Mapuche
 
In vielen Ländern werden die indigenen Völker auch durch Rohstoffabbau und -ausbeutung in ihren Gebieten bedroht. Den im südamerikanischen Land Chile lebenden Mapuche beispielsweise wurden im 20. Jahrhundert große Teiles ihres Landes weggenommen. Heute werden dort, wo einst ihre Urwälter wuchsen von Großunternehmen Kiefern und Eukalyptusbäume als Holzplantagen angepflanzt. Diese Arten verbrauchen zu viel Wasser und schädigen die Böden, bis diese letztlich unbrauchbar werden.
 
Einige Mapuche-Gruppen wehren sich gegen den Landraub und werden von der Regierung als Terroristen verhaftet. Viele Mapuche können nicht lesen und schreiben und verrichten einfache Arbeiten, zum Beispiel als Haushaltshilfen bei den reicheren chilenischen Bevölkerungsgruppen.
 

Sibirien
 
nenzenFoto: Die Nenzen sind das größte indigene Volk Russlands. Sie leben als Nomaden von Rentierzucht. Durch Erdölförderung in ihren Gebieten werden viele Weidegründe zerstört und Erdölpipelines durchschneiden die Wanderwege ihrer Tiere.
 
Auch in Sibirien werden die ansässigen indigenen Volksgruppen durch Rohstoffabbau, besonders Erdöl und Erdgas massiv in ihren Rechten eingeschränkt. Ihr Land wird von Großkonzernen ausgebeutet und sie haben selbst keinen Gewinn davon und müssen mit den Nachteilen leben, die daraus entstehen, zum Beispiel Umweltschäden.
 

Entschuldigungen
 
maori_maedchenFoto: Maori Mädchen in traditioneller Kleidung.
 
Im Juni 2008 übergab die Regierung Neuseelands sieben Maori-Stämmen ein riesiges Waldgebiet als Entschädigung dafür, dass ihre Vorfahren vor 150 Jahren von ihrem Land verjagt worden waren. Nach 20 Jahre dauernden Verhandlungen werden die rund 100.000 Maori damit nun die größten Waldbesitzer Neuseelands.
 

Auch im Juni 2008 entschuldigte sich der kanadische Premierminister bei den indianischen Ureinwohnern für das Unrecht, das ihnen seit rund 130 Jahre angetan worden war. Seit 1874 waren rund 150.000 Indianerkinder gezwungen worden, staatliche Internate zu besuchen, auf denen sie fernab von ihrer Familie, ihren Gemeinden und ihrer Kultur völlig isoliert aufgezogen wurden. Die Folgen dieser rassistischen Maßnahme sind bis heute spürbar: Unter den Ureinwohnern Kanadas gibt es wesentlich mehr Armut, Alkoholismus und eine höhere Selbstmordrate als in der restlichen Bevölkerung.
 
 
Im WAS IST WAS Band 42 "Indianer" könnt ihr euch über das Leben der Indianer früher und heute schlau machen. WAS IST WAS Band 2 "Der Mensch" informiert euch über die Abstammung des Menschen, verschiedene Kulturen und Lebensweisen von Menschen in aller Welt aber auch Themen wie Weltreligionen und Menschenrechte sowie Erfindungen und Bevölkerungsentwicklung kommen zur Sprache.
 
 
Text: Liane Manseicher, 06.08.08; Fotos: Yanomamifamilie: C. Haverkamp, GfbV; Adivasi: Steve Dreger: GFDL; Same: pd: Christoph Silvanus; Tuareg: Bertrand oder Florence Devouard: GFDL; Inuitfrauen und Robbenjäger: Ansgar Walk: cc-by-sa;
Nenzen: Dr. A. Hugentobler: GFDL; Maori Mädchen: Seth Mazow: GFDL.
Aktualisiert: Christine Spindler, 31.07.2009
 


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