Das Bild der Hexe veränderte sich im Lauf der Geschichte. Während die Menschen im Mittelalter sich eine Hexe als junge, verführerische Frau vorstellten, so verwandelte sie sich im 19. Jahrhundert zu einer alten, buckeligen, hässlichen Frau mit Warzen, Zahnlücken und einem scheußlichen Lachen. So kennen wir diese Figur auch aus Märchen wie „Hänsel und Gretel“.
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Schwarze Magie
Hexen unterstellte man übersinnliche, übernatürliche Kräfte. Waren sie der „schwarzen Magie“ mächtig, so glaubte man im Mittelalter, sie konnten Krankheiten, Not und Elend herbeihexen, auch ein Unwetter war in ihrem Repertoire. Und wenn sie es wollten, mussten andere ihrem Willen folgen. Diese Art von Magie war natürlich verboten. Gerade im Mittelalter und bis Ende des 18. Jahrhunderts wurden vor allem Frauen als Hexen verfolgt, denen man solche schwarze Magie unterstellte. Viele davon starben qualvoll nach Hexenprozessen auf dem Scheiterhaufen.
Weiße Magie
Waren sie Vertreterinnen der „weißen Magie“, so wussten sie um die heilende Kraft bestimmter Kräuter und Pflanzen, konnten Schmerzen lindern, getrennte Liebende zusammenführen oder Ängste besiegen – und das alles mit übernatürlichen Fähigkeiten, die man nicht wissenschaftlich erklären konnte oder wollte. Wie Astrologen oder Alchimisten befassten sie sich mit der Natur, beobachteten sie genau und benutzten die Wirkung bestimmter Steine, Stoffe oder Pflanzen um Leute von ihren körperlichen Leiden zu befreien.
Doch auch Hexen der weißen Magie waren nicht ungefährdet. Misslang ihnen eine Heilung oder konnte sie jemand nicht leiden, so war es zumindest im späten Mittelalter ein Leichtes auch Frauen an den Pranger zu stellen, denen beim Helfen ein Missgeschick passierte oder die nur einen Fluch aussprachen.
Fasching
Ursprünglich begann der Fasching am Donnerstag vor dem Faschingswochenende, der auch „Weiberfastnacht“ genannt wird, und endete mit dem Aschermittwoch. Die Faschingszeit sollte ursprünglich dazu dienen, sich nochmals so richtig auszutoben, bevor die strenge Fastenzeit kam. Also all das tun, was sonst im Allgemeinen verpönt war: viel essen, trinken, tanzen, lärmen, lästern, flirten und Spaß haben. Der Karneval bedeutete eine verkehrte Welt: Jeder darf das sein, was er in seinem alltäglichen Leben nicht ist.
Ab dem 13. Jahrhundert gibt es schriftliche Belege für den Karneval im deutschsprachigen Raum. Zunächst war es ein großes Fest mit viel Leckereien für alle Bevölkerungsschichten. Es kam Musik und Tanz dazu und schließlich auch Turniere und Umzüge. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts war die Fastnacht einfach ein großes Fest, auch für die Kirche. Doch das änderte sich.
Die Hexe im Karneval
Man begann von kirchlicher Seite aus, den Fasching zu verdammen und nur noch die Fastenzeit gut zu heißen. Die Fastnacht wurde zum aufrührerischen Fest der Verdammten. Der Karneval kam in Verruf und je mehr die Prediger gegen ihn schimpften – umso mehr feierten ihn die einfachen Leute. Und so wie die Kirche den Fasching „verteufelte“ – kamen auch entsprechende Kostüme auf. Die „böse Hexe“ galt als Liebschaft des Teufels – und war auch mit von der Partie. Genau wie Dämonen und Wilde Leute. Sie hatten alle einen Pakt mit dem Teufel.
Hexe und Katze
Aber nicht nur die Hexen wurden direkt mit dem Teufel in Verbindung gebracht, sondern auch die Katzen. Nach der Hexensage wird eine 20jährige Katze zur Hexe und eine 100jährige Hexe verwandelt sich in eine Katze. Neben der schwarzen Katze haben Hexen auch immer gern ihren Besen dabei, den sie zum Flug benötigen. Aber ohne sich vorher mit Hexensalbe eingerieben zu haben, hebt sich auch die schwungvollste Hexe nicht vom Boden ab.
Heute verbergen sich noch besonders in den südwestdeutschen und alpenländischen Fastnachtsumzügen Männer und Frauen hinter gruseligen Masken und jagen den Zuschauern als Hexen Angst und Schrecken ein.
Im Fasching steht eine Hexe für die Menschen, die sich in der Narrenzeit mit dem Teufel eingelassen haben, dem Feind des Guten, vor allem aber auch dem Gegenspieler Gottes. Schließlich dient der Karneval ja auch dazu, dass man sich als das verkleidet, was man im Alltagsleben eben nicht ist – und eine Hexe zu sein, hat natürlich auch einen eigenen ganz besonderen Reiz. Schließlich kommt sie ja nur, um die anderen zu verführen.
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-ab-22.01.04 Text / Fotos: Illustration aus WAS IST WAS Band 97 und Alpenmasken: Deutsches Fastnachtmuseum, Kitzingen.
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