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Atomphysikerin Lise Meitner

Berühmte Personen

Atomphysikerin Lise Meitner

Am 7. November 1878 wurde Lise Meitner geboren. Die Physikerin hatte großen Anteil an der Entdeckung der Kernspaltung, erhielt jedoch nie den Nobelpreis.

Lise Meitner wurde am 7. November 1878 als drittes von acht Kindern des Rechtsanwalts Philipp Meitner und seiner Frau Hedwig in Wien geboren. "Das Leben muss nicht leicht sein, wenn es nur inhaltsreich ist". Mit diesem Satz formulierte Lise Meitner schon als Jugendliche ihren Anspruch an die Zukunft.

Schule und Studium in Wien

Da sie als Mädchen kein Gymnasium besuchen durfte, konnte sie sich erst nach Beendigung der Schule extern auf die Ablegung der Matura, also des Abiturs vorbereiten. Am 11. Juli 1901 bestand sie zusammen mit nur drei anderen Mädchen das Abitur. Anschließend studierte sie in Wien Mathematik, Physik und Philosophie. 1906 war sie erst die zweite Frau, die überhaupt eine Promotion ablegen konnte.

Forschung in Berlin

 
Lise Meitner und Otto Hahn im Labor.

Sie lernte Max Planck kennen, der ihr einen Lehrstuhl am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin anbot. 1907 begegnete sie dort Otto Hahn und wurde 1912 die erste deutsche Professorin in den männlich dominierten Wissenschaften. Gemeinsam mit Otto Hahn arbeitete sie auf den Gebieten der Kernphysik und der Radioaktivität. 1918 entdeckten die beiden das Element Prodactinium, das die Elementnummer 91 bekam.

Während des Ersten Weltkriegs (1914-1918) arbeitete sie freiwillig als Röntgenschwester in einem Frontlazarett. Im Jahr 1917, also noch vor Kriegsende, führte sie ihre Arbeit in Berlin fort und widmete sich besonders der Untersuchung von Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung und den damit verbundenen Kernprozessen.

Da Frauen erst in der Weimarer Republik zu einer Hochschullaufbahn zugelassen wurden, konnte sie erst 1922 ihre Habilitation in Physik erreichen. 1926 wurde sie außerordentliche Professorin in Berlin.

Forschung im Exil

Auf dem Höhepunkt ihrer Forscherlaufbahn kamen 1933 die Nazis an die Macht. Wegen ihrer jüdischen Religion verlor Lise Meitner ihre Anstellung, die sie auf Wirken Otto Hahns und Max Plancks jedoch wiederbekam. Nach der Besetzung Österreichs durch Deutschland verlor Lise Meitner ihren Ausländerstatus und verließ 1938 Deutschland. Sie floh über Holland nach Schweden, wo sie eine Anstellung am Nobel-Institut für Physik bekam.

In Deutschland wurde ihre Arbeit von Otto Hahn und Fritz Strassmann fortgeführt. Durch briefliche Anregungen hatte Lise Meitner maßgeblichen Anteil an der Entdeckung der Kernspaltung von Uran und Thorium. Gemeinsam mit ihrem Neffen Otto Frisch erarbeitete sie 1939 dazu die erste theoretische Erklärung. Den Nobelpreis für Chemie des Jahres 1944 erhielt Otto Hahn jedoch allein.

Ablehnung der Atombombe

Nach dem 2. Weltkrieg hielt Lise Meitner Gastvorlesungen an der Katholischen Universität in Washington. Die amerikanische Presse kürte sie zur "Frau des Jahres". Trotz verlockender Angebote ging sie nicht in die USA, um dort an der Entwicklung der Atombombe mitzuarbeiten.

Statt dessen nahm sie 1947 eine Forschungsprofessur an der Technischen Hochschule von Stockholm an, die sie bis 1960 ausübte. Bis an ihr Lebensende setzte sie sich für die ausschließlich friedliche Nutzung der Atomenergie ein. Am 27. Oktober 1968 starb sie fast 90jährig in Cambridge.

Obwohl sie nicht mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden war, wurde ihr Lebenswerk doch in vielfacher Weise gewürdigt:

1949 zeichnete die Deutsche Gesellschaft für Physik Lise Meitner mit der Max Planck Medaille aus.

1955 erhielt sie den Otto-Hahn-Preis.

1959 wurde Lise Meitner das Bundesverdienstkreuz verliehen.

1966 erhielten Meitner, Hahn und Straßmann den Enrico-Fermi-Preis der Atomenergiekommission der USA.

1991 wurde ihre Büste im Ehrensaal des Deutschen Museums aufgestellt.

1992 wurde ein chemisches Element (109) nach ihr `Meitnerium` benannt.

Das Hessische Ministerium für Kunst und Wissenschaft stiftete 1992 einen Lise-Meitner-Preis für Wissenschaftlerinnen aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften.
Text: Roland Rosenbauer/ergänzt -jj- 31.10.2008 // Bilder: DHM Berlin

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