Archiv

In unserem Archiv findest du die beliebtesten Texte und Kinderfragen aus 15 Jahren wasistwas.de. Klick rein in deine Lieblingsthemen!

Hedwig Munck - Interview mit einer "Königinmutter"

Berühmte Personen

Hedwig Munck - Interview mit einer "Königinmutter"

Hedwig Munck lebt gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Berlin. Derzeit laufen neue Folgen von "Der kleine König" im Fernsehen an. Wie die Autorin sich ihre Figuren vorstellt, wie neue Geschichten entstehen und ob es ein Vorbild für den kleinen König gibt, all das haben wir in einem Interview mit der Autorin und Zeichnerin erfahren. Zunächst wollten wir von Frau Munck wissen, ob sie bei neuen Geschichten zunächst in Bildern denkt......

Hedwig Munck: Hmmmm. (sie überlegt) Manchmal ja, aber meistens verliebe ich mich in schöne Worte. Und dann fange ich an zu spinnen. Eher nicht von Bildern.

Frage: Also es kommt eine Idee, ein Wort - wie zum Beispiel eincremen das ist so ein Wort unter dem man sich ganz viele verschiedene Sachen vorstellen kann.

Hedwig Munck: Ja, genau. Flaschenpost man bleibt an irgendetwas hängen. Oder es gibt auch Geschichten, die sich einfach anbieten. Wenn meine neue Katze zum Beispiel nicht mehr vom Baum runterkommt, gleich am ersten Tag vor lauter Angst. Oder mein Mann sich vor einem Messebesuch noch mal die Schuhe putzen will und alles schief geht, dann muss ich nicht mehr viel tun um die Geschichte fertig zu machen.

Frage: Wie entstehen eigentlich ihre Bilder?

Hedwig Munck: Die Besonderheit ist bei uns, dass die Geschichten mit einem Film anfangen. Da gab es zwar früher, vor etlichen Jahren auch noch richtig gemalte Bilder als wir noch Filme auf 35mm-Film gemacht haben. Aber leider hat uns die Technik überholt und mittlerweile entstehen alle Bilder auf einem Zeichentablett in einem Rechner. Das heißt Papier und eine richtige Zeichnung gibt es nur noch in der Entwurfsphase.

Frage: Sie zeichnen mit der Maus?

Hedwig Munck: Nee. Ich habe einen Stift und ein Tablett mit der Maus komme ich wahrscheinlich nicht über das zeichnerische Niveau eines Vierjährigen hinaus. (lacht) Aber mit dem Stift, kann ich das schon ganz gut. Und da sind natürlich viele Fehler ganz einfach wieder rückgängig zu machen, was beim Papier auch manchmal ganz schön wäre, wenn man sagen könnte: Bitte zurück mit dem Strich!

Frage: Als Sie mit der Filmserie angefangen haben, war der Kleine König mit all seinen Eigenschaften schon festgelegt oder entwickelt sich diese Figur charakterlich immer weiter?

Hedwig Munck: Es gab mal eine ganz alte Geschichte, in der der Kleine König einzeln aufgetaucht ist. Richtig aus der Taufe gehoben hat ihn dann die Sandmann- Redakteurin Anne Knabe. Schon in der ersten Geschichte war sein Pferd bei ihm und in der zweiten waren auch all die anderen Tiere da. Man weiß gar nicht warum, (lächelt) eigentlich wurden sie gar nicht gebraucht sie waren einfach da. Und dann wächst er natürlich schon, mit jedem neuen Zimmer, mit jeder neuen Situation, die er sich erobert, entdeckt er Vorlieben an sich. Und dass er nicht gerne badet, wusste er am Anfang noch nicht. (lacht)

Frage: Sie bekommen sicher auch viel Post von den begeisterten Kindern und Fans. Geben die Ihnen auch neue Ideen, was sie noch wissen möchten oder gut oder schlecht finden am Kleinen König?

Hedwig Munck: Ja, die fordern richtig Geschichten ein. Seitdem mein Mann die Homepage ins Leben gerufen hat, haben wir ein richtiges Gesprächsforum. Normalerweise ist das ja gar nicht so einfach, als Buch- und Filmmacher mit den Kindern selbst zu reden. Ich bekomme ungefähr 20 Briefe am Tag und die werden alle von mir persönlich beantwortet. Da gibt es viele alltägliche Fragen, wie Wann gehts weiter? Oder: Wo gibt es das und das? Aber ich bekomme auch richtige Wünsche wie Ich möchte, dass der Kleine König eine Nachtwanderung macht oder sein Schloss renoviert und und und....

Frage: Werden die dann aufgenommen?

Hedwig Munck: Da es mittlerweile ja schon 52 Filme gibt und an Buchgeschichten sogar noch mehr, ich glaube, mittlerweile über 60 Geschichten, sind viele Ideen schon verwirklicht. Das wissen die Kinder oft ganz einfach nicht. Klar, wer kennt schon alle Geschichten? Über manche Anregungen denke ich einfach mal nach, die kommen gleich oben in die Schublade. Noch habe ich ja Zeit. Und die mir am besten gefallen, stehen ganz vorne.

Frage: Wie finden, ihre Kinder eigentlich, dass ihre Mutter eine Zeichnerin ist. Auch noch die Zeichnerin vom Kleinen König. Finden sie das klasse oder langweilig, interessieren sie sich noch für die Figur obwohl sie schon älter sind und aus dem Alter längst heraus sind?

Hedwig Munck: Sie sind mit 17 und 18 schon in einem Alter, wo das fast peinlich sein könnte. Aber mein Sohn schläft heldenhaft in Königs-Bettwäsche (lacht schallend).

Frage: Redet er sie auch manchmal mit Königinmutter an?

Hedwig Munck: Nee, neee. Er ist in einem Alter, in dem nicht sehr viel gesprochen wird. Wenn ich mit ihm rede, dann sagt er nur: Kauf dir nen Hund, damit du mit jemanden sprechen kannst. (biegt sich vor Lachen!)

Frage: Haben sich Ihre Kinder auch am Zeichnen versucht?

Hedwig Munck: Ja. Also manchmal hab ich sie schon gebeten mir zu helfen, mir mal was anzumalen. Die beiden sind ja ziemlich fit am Computer. Mein Sohn hat im Internet auch schon eigene Sachen gemacht, ein Spiel für die Homepage entwickelt oder den Shop gestaltet. Und ich bin dann natürlich auch ziemlich stolz auf ihn. Und mein Sohn meint ja auch, er ist die Figur.....na ja, die sind sich schon verdammt ähnlich. (lacht wieder).

Frage: Also doch Königinmutter?

Hedwig Munck: Ja doch. Und wahrscheinlich musste deshalb auch eine Prinzessin her, damit sich das andere nicht zurückgesetzt fühlt. (lacht schallend)

Hier geht´s zur Homepage des Kleinen Königs. Und hier zum Buchverlag Junge Welt und die Seite vom Sandmann. Die neuen Kleine König Folgen kommen immer montags im "Sandmann" (auf RBB: 17.55 Uhr, MDR: 18.50 Uhr und KIKA 18.55 Uhr).

-ab-13.01.04 / Text: Interview mit Hedwig Munck auf der Frankfurter Buchmesse 03; Fotos: www.wasistwas.de

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt