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Georg Friedrich Händel, der Barockstar

Berühmte Personen

Georg Friedrich Händel, der Barockstar

Händel (1685-1759) lebte in der Zeit des Barock. Von Kindheit an wurde seine musikalische Begabung gefördert und er war sowohl mit den preußischen Fürsten als auch mit dem englischen Königshaus bekannt. Nachdem er in Hamburg als Operndirigent und -komponist gearbeitet hatte, begab er sich auf eine vierjährige Studienreise nach Italien. Von 1712 an lebte er in London, wo er für den König die berühmte Wassermusik schrieb, die bei einem Fest auf der Themse erstmals aufgeführt wurde. Zu seinem Hauptwerk gehören außerdem 40 Opern und 25 Oratorien, darunter Der Messias mit dem weltberühmten Halleluja-Chor.

Schon in jungen Jahren bedeutend

Bild: Logo des Händeljahres 2009.

Am 23. Februar 1685 wurde Georg Friedrich Händel in Halle an der Saale geboren. Als er sieben Jahre alt war, nahm ihn sein Vater mit an den Hof des sächsischen Herzogs, wo er als Hofchirurg arbeitete. Dort spielte Händel so eindrucksvoll die Orgel, dass der Fürst Händels Vater davon überzeugte, dass der Junge das Talent zum Musiker hätte. Fortan erhielt Händel Kompositions- und Instrumentalunterricht.

Der vier Jahre ältere Komponist Georg Philipp Telemann begegnete ihm 1701 und berichtete später darüber, dass er den damahls schon wichtigen Hrn. Georg Fr. Händel kennen gelernt habe. Damals war Händel gerade 16 Jahre alt! 1702 begann Händel das Studium der Rechtswissenschaften, doch schon ein Jahr später zog er nach Hamburg. Dort musizierte er am ersten deutschen Opernhaus, wo er Geige und Cembalo (siehe Erklärung unten) spielte. In diesem Haus wurde 1705 auch seine erste Oper Almira uraufgeführt.

Ein Sachse in Italien

Im Sommer 1706 reiste Händel für vier Jahre nach Italien. Damals waren Italienreisen ein Muss für die Gebildeten. Das Heimatland der Oper zog auch Händel an. Obgleich mehrere adelige Mäzene (=Förderer, Geldgeber) ihm bereits angeboten hatten, ihm eine solche Reise zu finanzieren, hatte er jedes Mal abgelehnt und reiste schließlich auf eigene Kosten. Er traf dort zahlreiche Musiker und Komponisten, unter anderen die Brüder Alessandro und Domenico Scarlatti.

Händel war auch in Italien bereits berühmt und wurde il sassone, der Sachse genannt. Auf einem Maskenball in Venedig soll er maskiert Cembalo gespielt haben und Domenico Scarlatti rief: Das ist entweder der berühmte Sachse oder der Teufel! Auch in Italien brachte Händel eigene Opernkompositionen auf die Bühne.

Von Hannover nach London

Dann erhielt er das Angebot, Kapellmeister am Hof des Kurfürsten von Hannover zu werden. Er nahm die Stelle an, allerdings nur unter der Bedingung, dass er sich gelegentlich vom Hof (und damit von seinen Pflichten) entfernen dürfe. Tatsächlich pendelte er zwischen Hannover und England.

Das Orchester im Boot

Von 1712 an lebte er sogar ganz in London. Zwei Jahre später folgte ihm der Hannoveraner Kurfürst, der in der Westminster Abbey zum englischen König Georg I. gekrönt wurde. Für diesen komponierte Händel wahrscheinlich auch seine berühmte Wassermusik, die bei einer festlichen Bootsfahrt auf der Themse 1717 uraufgeführt wurde.

Die Musiker fuhren dabei auf eigenen Booten dem König samt Hofstaat und Gästen hinterher. Der König war so begeistert von der Komposition, dass die Musiker sie während der Fahrt dreimal wiederholen mussten. Außerdem bekam Händel fortan ein doppelt so hohes Gehalt als Belohnung.

Bild: 1748 komponierte Händel die "Feuerwerksmusik", die anlässlich des Friedensschlusses des österreichischen Erbfolgekrieges aufgeführt wurde. Bei dem Fest wurde ein riesiges Feuerwerk entzündet.

Bis heute wird bei jeder Krönung eines britischen Königs oder einer Königin Händels Krönungshymnus Zadok the priest gespielt, das dieser für König Georg I. verfasste.

Duell der Opern

Bild: So sah die Royal Opera in London aus, in der Händel seine Opern aufführen ließ.

Später arbeitete Händel auch für den Herzog von Chandos und wurde Musikdirektor am königlichen Opernhaus in London. Für die angegliederte Opernakademie verfasste Händel einige seiner besten Opernkompositionen wie Julius Caesar, Tamerlano und Rodelinda. Nachdem Ende der 1720er Jahre das Publikum immer seltener Opern besuchte, verlegte sich Händel auf das Komponieren von Oratorien.

Trotzdem führte er weiterhin sein eigenes Opernhaus. Als in London eine zweite Oper eröffnet wurde, die ihm fast alle seine Sänger abwarb, kam es zu einem Zweikampf zwischen den beiden Häusern. Letztlich machten beide bankrott und Händel erlitt 1737 einen Schlaganfall, von dem er sich aber recht rasch wieder erholte.

Händel erfindet das englische Oratorium

Bild: Georg Friedrich Händel.

In den Jahren bis zu seinem Tod 1759 komponierte er fast nur noch Oratorien (Erklärung siehe unten), darunter den berühmten Messias sowie Judas Makkabäus. Sein Verdienst ist er, dass diese Musikgattung in England überhaupt bekannt und für ein bürgerliches Publikum geöffnet wurde.

Seine Augen wurden immer schlechter und obwohl er sich mehrfach operieren ließ, war er ab 1752 nahezu blind. Trotzdem wirkte er bis zuletzt an den Aufführungen seiner Stücke mit, improvisierte seine Orgelkonzerte und komponierte. Er starb am 14. April 1759.

Anders als viele seiner berühmten Zeitgenossen wie Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann geriet Händel nach seinem Tod nicht in Vergessenheit. In England wurden seine Kompositionen, besonders die Oratorien weiterhin aufgeführt und in Deutschland entwickelte sich um sein Messias-Oratorium ein regelrechter Kult.

Viele andere Komponisten wie Mozart, Haydn, Beethoven, Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms setzten sich mit seinen Werken auseinander und ließen sich von ihnen beeinflussen.

Hier noch einige Sacherklärungen:

Was ist ein Cembalo?

Ein Cembalo (siehe Foto) ist ein Tasteninstrument, das aussieht wie ein kleiner Flügel, jedoch viel höhere und anders klingende Töne erzeugt, da es die Saiten zupft und nicht anschlägt. Man nutzte es vom 15.-18. Jahrhundert, wobei es vor allem in der Barockzeit (1600-1750) besonders beliebt war.

Was ist der Unterschied zwischen Oper und Oratorium?

Während bei einer Oper die Sänger Handlungen auch schauspielerisch darstellen, wird im Oratorium ausschließlich gesungen. Ein Orchestern benötigen beide Musikgattungen. Das Oratorium hat biblisch-christliche Themen zum Inhalt, während es in der Oper eher um weltliche Themen wie beispielsweise Liebe, Krieg, Intrigen oder gesellschaftliche Probleme geht.

Ursprünglich wurden Oratorien als musikalische Andachten entwickelt. Sie werden daher bis heute in Kirchen aufgeführt. Um eine Opernaufführung zu sehen muss man hingegen das Schauspiel- oder Opernhaus besuchen.

Früher wurden Opern nur außerhalb der kirchlichen Fastenzeiten aufgeführt. In der Passions- und Adventszeit (die ursprünglich auch eine Fastenzeit ist) wurden hingegen ausschließlich Oratorien gegeben.

Text: Liane Manseicher, 23.02.09; Fotos: Cembalo: Ratigan: GFDL; Händel-Gemälde; Royal Opera; Feuerwerksmusik: pd; Händel-Denkmal: Horst Fechner: www.haendelhaus.de.

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