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Weihnachtsmann oder Christkind - Wer bringt die Geschenke?

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Weihnachtsmann oder Christkind - Wer bringt die Geschenke?

Wer bringt bei euch die Geschenke - der Weihnachtsmann oder das Christkind? Heute ist es Brauch, dass in den katholischen Familien die Kinder aufs Christkind warten. Die Protestanten geben dagegen eher dem Weihnachtsmann den Vorzug. Warum das so ist, und warum es früher genau anders herum war, möchten wir euch hier erklären.

Zu Lebzeiten des Reformators Martin Luther, also im 16. Jahrhundert, wurden die Kinder am 6. Dezember von Sankt Nikolaus beschenkt. Diese Figur geht auf den Bischof von Myra zurück, der bis zum Jahr 343 tatsächlich in der Türkei gelebt haben soll.


Der Bischof von Myra auf einer russischen Ikone aus dem 13. Jahrhundert.

Nikolaus: Der Freund der Kinder

Der Legende nach war der Geistliche bereits im Alter von 17 Jahren Bischof und setzte sich aufopfernd für arme und kranke Menschen ein. Kinder lagen ihm jedoch besonders am Herzen. Es heißt, dass er ihnen nachts heimlich Geschenke brachte. An seinem Todestag, dem 6. Dezember, wurden vom Mittelalter an kleine Aufmerksamkeiten an Arme, Dienstboten und eben auch die Kinder verteilt.

Luther erfindet das Christkind

Dieser Brauch war Martin Luther ein Dorn im Augen. Weil der Reformator sämtliche katholische Heilige abschaffen wollte, die Protestanten aber nicht auf die Bescherung verzichten wollten, musste der Kirchenmann für Ersatz sorgen.

Er verfügte, dass künftig der "heilige Christ", später als Christkind verniedlicht, am Weihnachtsabend die Geschenke bringen soll. Ob damit tatsächlich das neugeborene Jesuskind zum edlen Spender wurde, ist unklar. Zeitgenössische Abbildungen zeigen das Christkind von Anfang an als 10 bis 15-jähriges Kind von eher weiblicher als männlicher Erscheinung, meistens ausgestattet mit Engelsflügeln.

Netter als der Nikolaus

Das Nürnberger Christkind im Dienst auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt.

Das Rätsel, wer oder was das Christkind genau ist, wurde aber bis heute nicht aufgeklärt.



Fest steht nur, dass es wie Kollege Nikolaus nachts und vor allem heimlich die Geschenke bringt. Inszenierte Auftritte wie beim Nikolaus gibt es nicht. Ein weiterer Unterschied besteht auch darin, dass das Christkind nie straft. Es beschenkt die braven Kinder, während die unartigen leer ausgehen.

Seitenwechsel

Um 1900 wurde das Christkind schließlich auch von den Katholiken akzeptiert. Und nicht nur das in den folgenden 30 Jahren wechselten Christkind und Nikolaus zunehmend die Seiten. Künftig glaubten die Kinder im überwiegend katholischen Süden und Westen an das Christkind, im Norden und Osten eher an den Nikolaus. Allerdings hatte der sich mittlerweile in den eher weltlichen Weihnachtsmann mit rotem Umhang und weißem Rauschebart verwandelt.

Nikolaus wird Weihnachtsmann

So kennen wir den Weihnachtsmann heutzutage.



Der Weihnachtsmann hatte sich bereits im 19. Jahrhundert entwickelt. Der ursprünglich als Bischof dargestellte Nikolaus verschmolz immer mehr mit seinem Begleiter und Gehilfen Knecht Ruprecht oder Krampus und übernahm dessen Stiefel, den Sack und die Rute, behielt aber den Mantel und den zunehmend zur Zipfelmütze abgewandelten Bischofshut.

Der Weihnachtsmann, wie wir ihn heute kennen, wurde 1863 von einem amerikanischen Karikaturisten gezeichnet. Die Coca-Cola-Werbung machte ihn später weltweit populär.

Das Nürnberger Christkind

Egal, ob Christkind oder Weihnachtsmann jede Region in Deutschland hat ihre eigenen Traditionen. In Nürnberg heißt der Weihnachtsmarkt - einer der berühmtesten in Deutschland - zum Beispiel "Christkindlesmarkt". Und ein Christkind gibt es hier aus Fleisch und Blut. Alle zwei Jahre wird ein Mädchen zwischen 16 und 19 Jahren zur Repräsentantin der Stadt während der Adventszeit und darüber hinaus bestimmt.

Nic akt. 19.12.2010 / Foto: Christkind und Rauschgoldengel: Stadt Nürnberg; www.christkindlesmarkt.de,Weihnachtsmann: Photo Disc, Nikolausstrumpf: Image Library, russische Ikone: Wikipedia /GNU.

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