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Vor 100 Jahren wurde Deng Xiaoping geboren

Berühmte Personen

Vor 100 Jahren wurde Deng Xiaoping geboren

Am 22. August 1904 wurde Deng Xiaoping in Guangan in der Provinz Sichuan geboren. Schon als Student tritt er der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) bei, der Partei, die China seit vielen Jahrzehnten allein regiert. Er wird der Chefarchitekt oder Vater der Reform, Öffnung und Modernisierung Chinas genannt. Viele dramatische Erlebnisse und Entscheidungen prägen seinen politischen Weg.

Eine Skulptur von Deng Xiaoping, angefertigt zu seinem 100. Geburtstag.

Der Lange Marsch

Von 1934 bis 1936 nimmt er am Langen Marsch teil und kämpft an der Seite des späteren Mao Zedongs. Beim Langen Marsch zog sich die Rote Armee der chinesischen Sowjetrepublik unter Mao Zedong zurück, um der Kuomintang Armee zu entgehen. Dabei erlitt die Rote Armee riesige Verluste und legt eine Strecke von über 12 000 Kilometern zurück daher der lange Marsch. Am Ende landete die Rote Armee in Yanan, wo sie ein neues kommunistisches Zentrum aufbaute. Für seine Dienste wird er nach Ende des Bürgerkriegs von Mao als Generalsekretär des KPCh ernannt.

Lange sah das Ausland die Exil-Cinesen in Taiwan als die eigentliche chinesische Regierung an

Am Ende des 2. Weltkrieges vertrieb die Rote Armee die Kuomintang- Armee vom chinesischen Festland auf die Insel Taiwan. Lange Zeit wurden die Exilchinesen in Taiwan von den anderen Ländern als die eigentlich rechtmäßige Regierung Chinas angesehen.

Große Sprung nach vorn Hungersnot

Offiziell unterstützte Deng Xiaoping den Roten Armee Führer Mao. Doch dann leitete Mao seine so genannte Politik des Großen Sprungs nach vorn ein. Hinter dem Slogan des großen Sprungs verbarg sich zwischen 1958 und 1960 eine Politik, die versuchte China zu einer wirtschaftlichen Großmacht umzugestalten.

Opfer dieses Vorhabens waren zunächst die Bauern, von denen viele enteignet und getötet wurden, um ihr Eigentum zu kollektivieren, das heißt der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Die Folge dieser Politik war 1961/62 eine riesige Hungersnot, bei der rund 30 bis 45 Millionen Chinesen starben das entspricht etwa der Hälfte der deutschen Bevölkerung heute! Es war die größte Hungersnot der Menschheitsgeschichte.

Kulturrevolution

Diese Katastrophe schadete dem Ansehen Maos und nützte Deng Xiaping, der diese Art der Politik durchaus kritisierte. Er und Staatspräsident Liu Shaogi leiten in dieser Zeit wirtschaftliche Reformen ein. Mao merkte, dass er zunehmend unter Druck gerät und inszeniert die so genannte Kulturevolution um seine Machtposition zu erhalten. Außerdem sah er sein Lebenswerk, die Umgestaltung Chinas als kommunistisches Land, in Gefahr.

Diese Kulturrevolution brachte China bürgerkriegsähnliche Zustände. Der Volkszorn der einfachen Menschen richtete sich nun gegen eine gebildete Mittelklasse, wie Ärzte oder Lehrer. Schließllich musste sogar die Armee eingesetzt werden.

Endgültig beendet wurde diese Kulturrevolution schließlich mit dem Tod Maos, 1976. Sie kostete Millionen von Menschen das Leben und zerstörte die damalige Bildungsschicht fast vollkommen.
Nach dem Tod Maos wurde Deng Xiaoping wieder rehabilitiert und machte sich sofort wieder daran, die höchsten politischen Ämter zurückzuerobern.

Deng Xiaopings Innenpolitik

Zunächst verurteilte Deng Xiaping die Kulturrevolution scharf und er ermöglichte öffentliche Kritik. Außerdem löste er die alte, etablierte Klassengesellschaft auf, die z.B. verhinderte, dass Kinder früherer Landbesitzer studieren durften. Diese Maßnahmen brachten ihm viel Zustimmung ein.

Als einer der ersten chinesischen Politiker schlug er eine Öffnung Chinas und interne Reformen vor, die das riesige Land mit seinen knapp 1,3 Milliarden Einwohnern aus der Armut und Isolation führen sollten. Er wollte mit einer sozialistischen Modernisierung China zu einem Industrie- und Technologiestaat machen. Dabei sollten aber immer noch die Produktionsmittel und Güter der Allgemeinheit gehören und eben nicht ein paar privaten Eigentümern. Nach einer Tagung der KPCh 1978, bei der diese Ziele auch als die politische Marschrichtung Chinas ausgegeben wurden, bekam Deng Xiaoping eine Führungsrolle in dieser so genannten zweiten Generation.

Deng Xiaoping mit dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter in den USA

Außenpolitik

Am 1. Januar 1979 nahmen die USA und China unter seiner Führung die ersten offiziellen diplomatischen Beziehungen auf. Deng Xiaoping reiste deshalb auch in die USA. Kulturell, wirtschaftlich, politisch und militärisch sowie technologisch sollten die Beziehungen entwickelt werden. Wichtiger Streitpunkt war aber weiterhin Taiwan, das lange als Republik China den Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen eingenommen hatte. Deng Xiaoping erreichte, dass die Volksrepublik China von den USA als einzige legitime Regierung Chinas anerkannt wurde.

Der Platz des himmlischen Friedens in Peking, "Tiananmen" genannt

Ende der 80er Jahre begannen in China Demonstrationen gegen die Regierung. Vor allem in studentischen Kreisen forderte man mehr Demokratie und weniger Bestechlichkeit. Der Konflikt gipfelte 1989 mit dem Tiananmen-Massaker in Peking. Zahlreiche Menschen starben.

Hongkong

In Hongkong wird der traditionelle, chinesische Teil immer mehr von modernen Hochhäusern verdrängt

Eines seiner wichtigsten Ziele war es, an der Rückgabe Hongkongs durch die Briten festzuhalten. Dazu entwickelte er das Motto Ein Land zwei Systeme. In einem 1984 unterzeichneten britisch-chinesischem Abkommen war die Rückgabe für den 1. Juli.1997 vereinbart worden. Im November 1989 trat Deng Xiaoping von all seinen Ämtern zurück, war aber noch immer ein einflussreicher Mann in China, der es durchaus verstand seine Beziehungen weiterhin spielen zu lassen.

Diese Aktionen isolierten Deng Xiaoping und seine Regierung zunächst. Viele Länder drohten mit Sanktionen und Außenhandelssperren. Und tatsächlich ging der Außenhandel zunächst zurück. Regimegegner die konnten, verließen China und es folgten drei Jahre des wirtschaftlichen Stillstandes.

Gegen den Widerstand seiner Partei ging Deng Xiaoping daraufhin auf eine Reise in den Süden. Er besuchte unter anderem Shanghai und verdeutlichte, dass er auch weiterhin an seinen freien Wirtschaftszonen wie Shenzhen oder Shanghai festhalten wollte. Das brachte den Reformkurs wieder ins Rollen und damit auch Deng Xiaopings so genannte sozialistische Marktwirtschaft, die China wirtschaftlich ständig stärker wachsen lässt.

Die Rückgabe Hongkongs hat Deng Xiaoping nicht mehr miterlebt. Denn am 19. Februar 1997 starb der Politiker an den Folgen der Parkinsonschen Krankheit, an der er schon einige Jahre litt. Doch noch immer wird er als der Vater der Reform Chinas verehrt.

-ab-20.08.04 Text / Fotos: Mao Portät in Peking: Raimond Spekking 1990; www.wikipedia.de;Taiwan, Buddha, Bauer im Reisfeld, Platz de himmlischen Friedens, Hongkong: Destination Asia; Deng Xiaoping und Jimmy Carter: http://www.archives.gov/research_room/arc/;

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