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Sissi & Franz: Traumhochzeit des 19. Jahrhunderts

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Sissi & Franz: Traumhochzeit des 19. Jahrhunderts

Bei ihrer Hochzeit am 24. April 1854 galten sie als Traumpaar: Elisabeth, Kaiserin von Österreich - besser bekannt als Sissi - und Kaiser Franz Joseph. Doch die Ehe wurde mit vielen Problemen und Schicksalsschlägen belastet.

Vor allem durch die erfolgreichen Sissi-Filme weiß man mehr über Elisabeth als über ihren Ehemann. Kaum eine Regentin in Europa hat so viel Aufsehen erregt wie die Kaiserin von Österreich und Königin von Ungarn. Sissi ist bei ihrem Volk wegen ihres Aussehens und Charakters sehr beliebt und spätestens seit den Filmen aus den Fünfziger Jahren genießt sie über die österreichischen Grenzen hinaus echten Kultstatus.

Eine glückliche Kindheit

Sissi ist die zweitälteste Tochter von Herzog Maximilian von Bayern und Herzogin Ludovika. Als Kind verbringt sie die Sommermonate zusammen mit ihren sieben Geschwistern auf Schloss Possenhofen, in der Nähe des Starnberger Sees. Dort konnten die Kinder in der freien, ländlichen Natur toben, spielen und reiten. Elisabeth war immer ein wildes, empfindsames und freiheitsliebendes Kind.

Im Sommer 1853 lernt die 15jährige Kaiser Franz Joseph I., ihren zukünftigen Mann, in Bad Ischl kennen. Eigentlich sollte er dort Sissis Schwester Prinzessin Helene von Bayern vorgestellt werden, doch es kommt alles ganz anders.

Die junge Kaiserin

Zufällig trifft er Elisabeth, verliebt sich in sie und schon am nächsten Tag feiern die beiden Verlobung. Am 24. April 1854 heiratet das schönste und reichste Brautpaar der Welt so Pressestimmen - in der Wiener Augustiner-Kirche. Die Heirat ist die Traumhochzeit des 19. Jahrhunderts. In Wien wird eine Woche lang gefeiert. Doch die Mutter von Kaiser Franz ist von Anfang an gegen die Verbindung. Sie hält Sissi für zu jung und unerzogen. Das Volk jedoch bewundert und liebt Sissis Schönheit und Natürlichkeit.

Sissi an der Wiener Hofburg

Mit der Hochzeit beginnt für die junge Kaiserin eine sehr schwere Zeit. Sissi, an Freiheit gewöhnt, wird in die Wiener Hofetikette gezwängt. Damals waren die Sitten in der Gesellschaft und besonders am kaiserlichen Hof in Wien sehr streng und gezwungen.

1858 erfüllt Elisabeth ihre Hauptverpflichtung als Kaiserin: sie bringt nach zwei Töchtern den lang ersehnten Kronprinzen zur Welt. Sophie, Gisela und Rudolf dürfen nicht bei ihrer Mutter bleiben. Die Erzherzogin Sophie glaubt, sie müsse für eine angemessene Erziehung sorgen und übernimmt die Aufsicht der Kinder. Das Verhältnis zwischen Sissi und der Schwiegermutter wird deshalb immer schlechter.

Franz kann ihr nicht helfen. Der Kaiser muss sich um die vielen politischen Probleme im Land kümmern. Bürgerliche Aufstände erschüttern Europa und lassen die Herrscher zittern. Der junge Kaiser muss ein 38-Millionen Volk regieren und den Zerfall der Monarchie verhindern und lässt seine Frau deshalb viel alleine.

Sissi betreibt einen Schönheitskult

Kaiserin Elisabeth wird melancholisch und schwermütig. Sie beschäftigt sich mehr und mehr mit sich selbst. Sissi ist sich ihrer Schönheit bewusst und betreibt einen regelrechten Schönheitskult um ihre Person. Bei einer Größe von 1,72 m wiegt sie nur 50 kg. Um dieses Aussehen zu behalten, unterzieht sie sich strengen Diäten und treibt übermäßig viel Sport. In der Wiener Hofburg lässt sich Sissi ein eigenes "Sportstudio" einrichten. Dort turnt sie täglich, außerdem unternimmt sie lange Ausritte und wandert. Besonders stolz ist sie auf ihre Haare. Die gehen ihr bis zur Ferse, so dass sie mehrere Stunden täglich für die Pflege braucht.

Die Kaiserin zieht sich zurück

Die Selbstinszenierung und der Schönheitskult fordern ihren Preis. Sie zwängen Sissi zu einer andauernden Beschäftigung mit sich selbst. Das geht soweit, dass sie wichtige Repräsentationspflichten am Hofe ohne Begründung absagt, nur weil sie mit ihrem Aussehen nicht zufrieden ist. Als sie älter wird, versteckt sie sich vor Fotografen hinter Fächern und Schirmen. Schließlich lässt sie sich überhaupt nicht mehr fotografieren. Die vielen Diäten schwächen ihren Körper und Sissi erkrankt ernsthaft.

Schicksalsschwere Jahre

Aber Sissi erleidet weitere Schicksalsschläge. 1857 stirbt ihre erste Tochter Sophie mit nur zwei Jahren. Monatelang zieht sich Elisabeth in ihre Räume zurück, betet und sucht Trost in der Kirche. Festliche Anlässe, diplomatische Empfänge und sogar Gespräche mit Franz Joseph lehnt sie ab. Zehn Jahre später wird ihr Schwager, Kaiser Maximilian I. von Mexiko, von Aufständischen erschossen. Seine Frau Charlotte wird wahnsinnig.

Mit dem Tod König Ludwigs II. von Bayern, verliert sie dann auch noch einen engen Freund. Die Schicksalsschläge vergrößern Sissis Einsamkeit. Als dann auch noch ihr Sohn Rudolf Selbstmord begeht, kann sie sich von diesem Schlag nicht mehr erholen. Elisabeth zieht sich zurück und trägt nur noch schwarze Kleidung. Sie reist völlig vereinsamt und ruhelos um die Welt, um ihren privaten Problemen zu entfliehen. Von ihrem Ehemann entfremdet sie sich immer mehr.

Tod in Genf

Ihre letzte Reise führt sie nach Genf. Dort wird die Kaiserin am 10. September 1898 Opfer eines Attentats. Der Monarchie-Gegner Luigi Lucheni sticht ihr mit einer geschliffenen Feile mitten ins Herz. Im ersten Moment bemerkt Sissi die Verletzung nicht einmal und besteigt noch ein wartendes Schiff. Dort bricht sie zusammen. Ihre letzten Worte sind: "Was ist eigentlich mit mir geschehen?" Darauf fällt sie in Ohnmacht und stirbt am 10. September 1898. Kaiser Franz Joseph überlebt seine Frau um fast 20 Jahre. Er stirbt nach 68jähriger Regentschaft 1916 in Wien.

sw - 23.04.2004

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