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Simon Wiesenthal - ein Leben für die Gerechtigkeit

Berühmte Personen

Simon Wiesenthal - ein Leben für die Gerechtigkeit

Simon Wiesenthal hat sein Leben der Aufklärung der nationalsozialistischen Verbrechen an den Juden gewidmet. Als einziges Mitglied seiner Familie überlebte er den Holocaust und wurde als Nazi-Jäger und Menschenrechtler zur moralischen Institution.

Simon Wiesenthal wurde am 31. Dezember 1908 in Buczacz, Galizien geboren. Die Region gehörte damals zur Habsburger Monarchie, also zu Österreich-Ungarn. Heute liegt Galizien in der Ukraine. Sein Elternhaus war deutsch und jüdisch geprägt, der Vater diente als Offizier in Österreichs Armee und starb im Ersten Weltkrieg. Als Kind erlebte Wiesenthal den Untergang der Habsburgermonarchie und das damit verbundene Verschwinden der kulturellen und religiösen Vielfalt ostjüdischen Lebens in der aufkommenden Nazi-Herrschaft.

Die Schrecken des Holocaust

In Prag und Lemberg studierte Simon Architektur. Bis 1941 konnte er seinem erlernten Beruf nachgehen. Dann sperrten ihn die Nazis ein. Bis 1945 war er in insgesamt zwölf verschiedenen Konzentrationslagern inhaftiert und entging er immer wieder knapp dem Tod. Allerdings verlor er alle Angehörigen. Die Nationalsozialisten vernichteten neben seiner gesamten Familie auch die seiner Frau Cyla. Er selbst überlebte nur wie durch ein Wunder. Am 5. Mai 1945 befreiten amerikanische Truppen die Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen in Oberösterreich. Der 1,80 Meter große Simon Wiesenthal war auf kaum 50 Kilogramm abgemagert, und es wurden ihm nur geringe Überlebenschancen eingeräumt.

Der Gejagte wird zum Jäger

Nach dem Krieg begann Wiesenthal mit dem U.S. War Crimes Office zu arbeiten und übergab den Amerikanern bereits am 20. Mai 1945 eine Liste mit 91 Naziverbrechern. Fortan widmete er sein Leben der Aufklärung der nationalsozialistischen Verbrechen. Mehr als 50 Jahre lang suchte er von Wien aus nach den Vordenkern und Vollstreckern des Massenmordes an Millionen Juden. Sein spektakulärster Fahndungserfolg war 1960 die Verhaftung von Adolf Eichmann in Argentinien. Sein Motto auf der Jagd nach den Tätern lautete: "Nicht Rache sondern Gerechtigkeit". Seine Absicht war, die Erinnerung an die Toten wach zu halten, die Täter vor einen Richter zu bringen. Er wollte mahnen, nicht Haß schüren.

Akribische Recherchen

1961 errichtete Wiesenthal in Wien ein Dokumentationszentrum zur nationalsozialistischen Judenverfolgung. Als dessen Leiter sorgte er dafür, daß unzählige Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt wurden. Zu den bekanntesten Tätern, die Wiesenthal neben Eichmann ausfindig machte, zählte 1963 Karl Silberbauer in Wien, der die damals 15-jährige Anne Frank in Amsterdam verhaftet hatte. Silberbauer arbeitete bis dahin unerkannt als Wiener Kriminalrayonsinspektor. Seine Aufdeckung war Wiesenthals schwierigster Fall, da in Österreich noch viele alte Naziseilschaften aktiv waren. Wiesenthal erfasste im Zeitraum von 1947 bis 1989 insgesamt 1.100 Nazi-Kriegsverbrecher mit seinen Ermittlungen und Anklagen.
Auch in Friedenszeiten wurde sein Leben noch bedroht, 1982 entging er nur knapp einem Bombenanschlag von Neonazis.

Weltweite Anerkennung


1977 wurde das nach ihm benannte Simon Wiesenthal Center mit Hauptsitz in Los Angeles gegründet. Ziel des Zentrums war und ist es bis heute, flüchtige Kriegsverbrecher und Nazis zu verfolgen. Zwischenzeitlich sind weitere Institute in New York, Miami, Toronto, Jerusalem, Paris und Buenos Aires gegründet worden.
1989 wurde sein Leben in dem mehrfach preisgekrönten Spielfilm "Recht, nicht Rache" mit Ben Kingsley als Simon Wiesenthal verfilmt.
2003 zog sich Wiesenthal in den Ruhestand zurück. In einem Rückblick auf sein Lebenswerk meinte er, seine Ziele weitgehend verwirklicht zu haben.
Nach seinem Tod im September 2005 hinterließ er ein mehrere zehntausend Akten umfassendes Archiv über die Täter und Opfer des Holocaust. Es enthält 6.000 Akten über mutmaßliche Täter und die komplette SS-Führungsliste mit 90.000 Namen.
Wiesenthals Vermächtnis soll im Rahmen eines eigenen Wiener Instituts bewahrt werden. Die Umsetzung scheiterte bisher allerdings an der Finanzierung. Die Stadt Wien versprach zuletzt eine Förderung in der Höhe von 1,3 Millionen Euro.
Voraussichtlich 2012 soll das "Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust Studien" seinen Betrieb aufnehmen.

Text: RR, Stand: 31. 12. 2008, Foto: Horego, GNU/FDL

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