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Ötzi - ein Wanderer aus der Steinzeit

Berühmte Personen

Ötzi - ein Wanderer aus der Steinzeit

Am 19. September 1991 entdeckten Wanderer in den Ötztaler Alpen eine Leiche. Zunächst dachte man, der Mann sei erst vor kurzer Zeit verunglückt. Doch bald stellte sich heraus, dass die Mumie bereits mehr als 5000 Jahre alt war. Eine Sensation! Nicht nur der Körper, sondern auch Bekleidungs- und Ausrüstungsgegenstände des Mannes aus der Steinzeit waren gut erhalten.


Rekonstruktion des Mannes aus dem Eis - © Fotoarchiv Südtiroler Archäologiemuseum - www.iceman.it

Schnell erhielt der Tote den Spitznamen Ötzi, nach seinem Fundort in den Ötztaler Alpen. Auf Englisch nennt man ihn auch Iceman oder Frozen Fritz. Untersuchungen mit der Radiokarbonmethode (Erklärung am Ende des Artikels) deuten darauf hin, dass Ötzi etwa 5000 Jahre alt ist, also um 3000 v.Chr. gelebt hat. Das war die Zeit, als mit Planung und Bau der ersten Pyramiden in Ägypten begonnen wurde!

Unser Urahn aus dem Gletscher

Im Eis des Similaungletscher wurde der Leichnam über die fünf Jahrtausende hinweg gut konserviert. Erst durch das starke Abtauen des Gletschers infolge der Klimaerwärmung der letzten Jahre kam die Mumie zum Vorschein. Für die Vorzeitforschung bringt dieser Fund große Fortschritte. Bevor man Ötzi fand, hatte man nur einige Knochenteile von Menschen aus der Frühsteinzeit zur Verfügung. Nun einen fast vollständig erhaltenen Menschen.

 Und so sah er aus:
Kleidung

Die Kleidung des Mannes bestand ausschließlich aus Fellen, Leder und Gras. Er trug eine Fellmütze und Fellschuhe, die mit Gras ausgestopft waren. Es sind die ältesten Schuhe, die man weltweit fand! Außerdem schützte er sich mit einem Fell- und einem Grasmantel gegen die Kälte, trug einen Lendenschurz und röhrenförmige Beinkleider. 


Silexdolch mit Scheide (Silex=Feuerstein) - © Fotoarchiv Südtiroler Archäologiemuseum - www.iceman.it


Waffen und Werkzeug

Ötzi war hervorragend ausgerüstet, sodass es auch über längere Zeit allein überleben konnte. Die allerwichtigsten Gegenstände trug er in einer Gürteltasche direkt am Körper: Feuersteingeräte zum Schneiden und Bohren, eine KnochenAhle zum Nähen und vor allem einen Zunderschwamm.

Dieser Baumpilz ist in getrocknetem Zustand leicht entflammbar, deswegen trug ihn der Steinzeitmensch bei sich. Um Bäume fällen zu können hatte Ötzi ein Kupferbeil dabei. Immer griffbereit war der Dolch an seinem Gürtel.

Weitere Ausrüstungsgegenstände hatte der Vorzeitmensch vielleicht in einem Fellrucksack von dem nur noch der Holzrahmen erhalten ist. Besonders bemerkenswert ist ein Gefäß aus Birkenrinde, mit dem er glühende Holzkohle von seiner letzten Feuerstelle mit sich trug.

Für die Jagd sollten Pfeile und ein Bogen dienen. Der Bogen war allerdings noch nicht einsatzbereit: ihm fehlen der Griff und die Kerben für die Bogensehne. Wollte Ötzi ihn auf der Wanderung noch fertig stellen oder musste er überraschend aufbrechen? Das wissen wir leider noch nicht.

Besondere Kennzeichen


Natürlich wurde auch Ötzis Körper in den letzten Jahren ausführlich untersucht. Man fand heraus, dass er an etwa 50 Stellen tätowiert war. Die Tätowierungen dienten aber weniger dem Schmuck als der Schmerzlinderung. Sie befinden sich an Stellen über Gelenken, die von Abnutzung betroffen waren und sicherlich geschmerzt haben.

 
Weitere Forschungen haben ergeben, dass Ötzi etwa 46 Jahre alt war, als er starb. Das ist für die damalige Zeit sehr alt. Er wog ungefähr 50 kg, war 1,60 m groß und hatte Schuhgröße 38. Sein Gebiss war zwar völlig abgenutzt, aber er hatte kein Karies. Man bemerkte auch mehrere verheilte Brüche der Rippen und der Nase, Anzeichen für ein gefahrvolles Leben.

Wurde Ötzi ermordet?

Doch dann kam die spannendste Entdeckung an Ötzis Körper: Eine Pfeilspitze steckt in seinem Rücken. Zwischen Schulter und Schulterblatt wurde er getroffen. Obwohl keine lebenswichtigen Organe verletzt wurden, kann es dennoch sein, dass der Steinzeitmann an dieser Wunde starb.

Anhand von Röntgenbildern und Computertomographie konnten diese neuen Erkenntnisse gewonnen werden. Neben diesen Techniken war auch die Radiokarbonmethode im Fall Ötzi wichtig, um sein Alter zu bestimmen. Deshalb wollen wir euch diesen noch genau erklären:

Erklärung Radiokarbonmethode

So lange ein Mensch, ein Tier oder eine Pflanze lebt, werden durch Nahrung und Atmung Stoffe mit der Umwelt ausgetauscht. Darunter ist auch Kohlenstoff. Dieser kommt in der Natur in drei Varianten vor, davon ist eine radioaktiv (Das kann man sich vorstellen wie bei Autos: Sie gleichen sich im Prinzip, sind aber doch unterschiedlich).

Diese drei Arten von Kohlenstoff sind auch alle im Organismus vorhanden. Ab dem Zeitpunkt des Todes zerfällt die radioaktive (Radio) Form von Kohlenstoff (Karbon), die beiden anderen bleiben im toten Organismus erhalten. Je weniger von der zerfallenden Sorte Kohlenstoff im Vergleich zu den beiden anderen vorhanden ist, desto länger liegt der Zeitpunkt des Todes zurück.

Zu besichtigen ist Ötzi im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen in Südtirol. Mehr über ihn erfahrt ihr auf der Internetseite des Museums auch auf deutsch: www.iceman.it

Mehr über Ötzi und andere Mumien erfährst du auch in unserem WAS IST WAS-Band 84: Mumien

Text: lm / jj - 19.09.01 / 18.09.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt