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Karnevalsbräuche bei uns und anderswo

Berühmte Personen

Karnevalsbräuche bei uns und anderswo

Auf der ganzen Welt kennt man den Karneval. Wie er gefeiert wird, unterscheidet sich aber stark voneinander. Neben den Straßenumzügen und bunten Tanzveranstaltungen gibt es vor allem im allemanischen Raum die "Fasnet" mit vielen mittelalterlichen Elementen. Einige stellen wir hier vor.

Salzburger Perchtenlaufen

Im Salzburger Land feiert man schon in den Tagen um den Jahreswechsel. Dann beginnt im Alpenraum die Zeit des Perchten- und Rauhnachttreibens. Mit "Perchten" sind maskierte Gestalten gemeint, deren Mane sich von der Sagengestalt "Perchta" ableitet.  

Wild verkleidete Männer mit Fackeln, Glocken und Schellen toben durch die Straßen und vertreiben die Dämonen und Schreckgestalten des Winters. In späterer Zeit wandelte sich dieser Brauch und heute belustigen sich die Akteure mit dem Erschrecken furchtsamer Mitbürger, ganz besonders beliebte Opfer sind Frauen und Kinder.

Basler Morgenstraich

Im schweizerischen Basel findet am ersten Fastensonntag die alte Bauernfastnacht statt. Den Auftakt macht der eindrucksvolle Morgenstraich. In den frühen Morgenstunden hört man in der gesamten Altstadt ein Pfeifen und dumpfes Dröhnen von Trommeln. Aus allen Ecken strömen Scharen von Maskenträgern zusammen.

Sie tanzen im Trommelschritt als Höllengeister, Dämonen und Kobolde durch die Gassen und tragen kleine Laternen auf den Köpfen. Anschließend trifft man sich in Gaststätten, wo traditionell Mehlsuppe und Zwiebelwähe (Zwiebelkuchen) serviert werden.

Geisterzug in Blankenheim

In Blankenheim bei Köln werden mindestens seit dem Jahr 1613 Karnevalsbräuche gefeiert. Der Höhepunkt ist der traditionelle Geisterzug am Fastnachtssamstag. In Laken gehüllte Gestalten mit hörnerartigen Zipfeln am Kopf bewegen sich tanzend und springend durch die Gassen. Sie tragen lodernde Pechfackeln, und die Stadttore sind durch eine bengalische Beleuchtung gespenstisch in Szene gesetzt.  An dem Zug kann übrigens jeder teilnehmen, der sich ein weißes Bettlaken und eine Kordel mitbringt. Die Pechfackeln kann man sich ausleihen.

Kölner Karneval

Foto: Das Kölner "Dreigestirn" bestehend aus Jungfrau, Prinz und Bauer

Den Kölner Karneval gibt schon seit mindestens 1341. Aber erst im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte er sich allmählich zu dem, was er heute ist. Damals beeinflusste der italienische Karneval die Feierlichkeiten maßgeblich. 1823 wurden Festkomitees gegründet und der Karneval so organisiert, wie ihn Köln heute feiert. Am 11.11. wird das jährlich wechselnde Karnevalsmotto ausgegeben. Bis zum Ende der Saison finden 300 Sitzungen und Kostümbälle statt.

Das Straßentreiben mit der Weiberfastnacht beginnt am Donnerstag vor Karnevalssonntag. Am Sonntag ziehen die Karnevalswagen und Musikkapellen durch die Stadt. Der Höhepunkt ist aber in jedem Jahr der Rosenmontag, dann ziehen viele Kilometer lange Schlangen mit Narren, Festwagen und bunten, riesigen Fantasiefiguren durch die Straßen. Sie spielen humorvoll auf politische Ereignisse und das aktuelle Tagesgeschehen an.

Buchenbacher Scheibenschlagen

Feurig geht es im badischen Buchenbach zu. Hier hat sich der alte Brauch des Scheibenschlagens erhalten. Am Aschermittwoch wird ein Holzstoß errichtet, zu dem die jungen Männer des Ortes am folgenden Sonntag ziehen. Sie tragen Scheibenkränze um den Hals und haben Fackeln bei sich. Sobald der Scheiterhaufen brennt, halten sie ihre Scheiben an langen Stöcken ins Feuer bis die Ränder glühen. Dann werden sie durch einen gezielten Schlag von den Stöcken gelöst und schwirren glühend durch die Luft. Am Ende wird noch ein vorbereitetes Feuerrad angezündet und einen Hang hinunter gerollt.

Rottweiler Narrensprung

Die Fastnacht ist im baden-württembergischen Rottweil seit dem 15. Jahrhundert bekannt. Stadt und Kirche war das närrische Treiben lange Zeit ein Dorn im Auge. Immer wieder versuchten sie, die Feiern zu verbieten. Heute hat sich das grundlegend geändert. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts der Brauch neu belebt wurde, feiern etwa viertausend Narren in traditionellen Trachten in der Stadt.

Der Höhepunkt der Fastnacht ist der Narrensprung am Rosenmontag und Faschingsdienstag. Unter Peitschenknallen, Schellenklingeln und den Klängen des Rottweiler Narrenmarsches tobt der Narrenzug durch die Altstadt. Tausende Menschen säumen die Straßen. Immer mit dabei sind die traditionellen Figuren des Federhannes, der wild herumspringt, des Gschells, des Schanteles, des Gullers und die Riesenfigur des "Langen Mannes".

Nürnberger Schembartlauf

Hier handelt es sich um einen berühmten Fastnachtsumzug, den es heute schon nicht mehr gibt. Dabei bedeutet "Schëmbart" so viel wie "bärtige Maske". Zwischen 1449 und 1525 war der Nürnberger Schembartlauf der bekannteste und größte Fastnachtsumzug seiner Zeit.

Veranstaltet haben den Umzug die Metzger der Stadt. Jährlich wurde das Motiv gewechselt und die Schembartläufer zogen in passenden Kostümen von der Burg bis hinunter in die Stadt.

Zu dem Umzug gehörten Narrenturniere und Fastnachtsspiele, Handwerkertänze und das Gesellenstechen. Bereits Ende des 15. Jahrhunderts wurden große Umzugswagen, so genannte Höllen, durch die Straßen gezogen. Während der Reformation (im 16. Jahrhundert) kam dann das Aus für den Nürnberger Schembartlauf.

Die Akteure hatten sich über einen Geistlichen lustig gemacht, dem die Fastnacht zu unchristlich war. Er beschwerte sich mit Erfolg bei den Stadtoberen, die den Schembartlauf endgültig verboten.

Dammer Karneval

Eine Woche vor den Karnevalshochburgen feiert man im niedersächsischen Damme Fastnacht. Seit 1614 formieren sich am Sonntag und Montag rund fünftausend Narren zu einem bis zu fünf Kilometer langen Umzug. Schon viele Monate vorher wird damit begonnen die Wagen zu bauen und die Kostüme zu nähen. Die Dammer Umzüge gehören zu den fantasievollsten und größten in Norddeutschland. Jedes Jahr kommen sechzig- bis neunzigtausend Besucher.

Karneval weltweit

Sambatänzerin in Rio de Janeiro.

Berühmte Karnevalsfeiern gibt es natürlich auf der ganzen Welt. Venedig, Nizza, Rio de Janeiro und New Orleans sind nur ein paar Beispiele. In Venedig werden übrigens zum Karneval höfische Masken getragen. Der Karneval in Rio de Janeiro ist dagegen für seine fantasie- und temperamentvollen Umzüge bekannt, die von Sambaschulen ausgerichtet werden.

Wenn du noch mehr über Fasching, Fastnacht und Karneval erfahren möchtet, kannst du ja mit deinen Eltern fragen, ob sie mit dir einmal nach Kitzingen in das Deutsche Fastnachtmuseum fahren. Dort hat man alles zusammengetragen, was man über die Entstehung des Volksbrauchs und die Festkultur finden konnte. Das Museum ist in zwei Gebäuden untergebracht, im Falterturm und in der Rosenstraße 10, und ist das ganze Jahr am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

-sw / nic akt. 13.2.2014 Wir danken dem Deutschen Fastnachtmuseum in Kitzingen und der Stadt Köln für die zur Verfügung gestellten Fotos; Kölner Dreigestirn: pd; Sambatänzerin: Roland Rosenbauer.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt