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Die Rosenkriege

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Die Rosenkriege

Die Geschichte der beiden Adelsfamilien, derer zu York und Lancaster, liest sich wie ein verwickeltes Drama um Macht und Ehre. Tatsächlich ließ sich Shakespeare davon zu seinem Stück "Heinrich VI." inspirieren. Die Häuser York (weiße Rose im Wappen) und Lancaster (rote Rose im Wappen) stammen beide vom Haus Plantagenet ab. Aus diesem Haus kam Heinrich II., der im 12. Jahrhundert König von England wurde und damit ein Anrecht der Nachkommen des Hauses Plantagenet auf den englischen Thron begründete. Weil beide Familien Rosen in ihren Wappen trugen, wurden die Auseinadersetzungen "Rosenkriege" genannt.

Das Wappen der heutigen Grafschaft Yorkshire in England. So ähnlich sah das Wappen des Hauses York aus.


Ein Grund für den Beginn der Rosenkriege im 15. Jahrhundert war, dass König Heinrich VI. von England aus dem Hause Lancaster im Hundertjährigen Krieg gegen Frankreich einige schwere Niederlagen einzustecken hatte. Zusätzlich gab es zu Hause in England Widerstand gegen ihn. Adlige des Hofes versuchten, Intrigen gegen Heinrich VI. zu spinnen.


König Heinrich VI. Er war kein sonderlich beliebter König. Insbesondere seine Abneigung gegen Waffen und das Reiten machten ihn in den Augen des Volkes zu einem Sonderling. Quelle: Wikipedia


Kranker König schwacher König


Der König litt stark unter den militärischen Niederlagen. Die Aufstände und Intrigen zu Hause machten ihm zusätzlich zu schaffen. Nach der Geburt seines Sohnes im Oktober 1453 erlitt Heinrich VI. einen Nervenzusammenbruch und erkrankte schließlich geistig. Dadurch verlor der Regent in weiten Teilen der Bevölkerung seinen Rückhalt, sodass seine Gegner Aufwind erhielten.


Schon einige Jahre vor der Erkrankung des Königs hatte Richard, der Herzog von York, sich verstärkt politisch engagiert. Er wollte selbst König werden. Da der Großvater Heinrichs VI. aus der Lancasterlinie den Thron einfach besetzt hatte, und Richards Anspruch auf den Thron dem Heinrichs VI. gleichwertig war, fühlte sich Richard im Recht, den englischen Thron zu besteigen.

Schließlich war es Richard von York gelungen, sich politische und militärische Unterstützung zu sichern. Dann kam es am 22. Mai 1455 zur Schlacht von St. Albans. Richard von York tötete den Herzog von Somerset, einen Gegenspieler vom Hofe des Königs. Diese Schlacht gilt als der Beginn der Rosenkriege.


So könnte es ausgesehen haben, als ein Bauer König Heinrich VI. die Nachricht von der Schlacht bei St. Albans überbrachte.


Das Haus York erzielt Teilerfolg


Richard griff nicht sofort nach der Königswürde. Er ließ sich Zeit, den Anspruch auf den Thron zu erheben. Erst als sein Verbündeter, der Graf von Warwick, den kranken König Heinrich VI. hatte festnehmen können, wollte sich Richard vom Parlament zum neuen König ausrufen lassen. Aber die Parlamentarier spielten nicht mit. Richard verhandelte mit dem gefangenen König mit folgendem Ergebnis: Heinrich ernannte Richard von York zu seinem Nachfolger und Erben, anstelle seines leiblichen Sohnes. Außerdem erhielt Richard sofort Titel und Rechte eines Prinzen von Wales. Heinrich VI. wurde im Londoner Tower gefangengehalten.


Nun kam die Frau Heinrichs, Königin Margaret ins Spiel. Sie übernahm die Führung des Hauses Lancaster. Keine zwei Monate nach seinem Erfolg wurde Richard von York in einer Schlacht getötet. Sein und die Köpfe zweier seiner engsten Unterstützer wurden der Öffentlichkeit präsentiert. Der erste Sohn Richards, der 18-jährige Eduard, wurde neues Oberhaupt des Hauses York.


Es folgten mehrere Schlachten, am Palmsonntag 1461 gelang es Eduard schließlich, die Truppen von Margarete und Heinrich VI. zu schlagen. Die beiden flüchteten nach Schottland ins Exil. Die Herrschaft der Lancasters war beendet, das Haus York hatte zunächst die Oberhand gewonnen.


Pläne werden geschmiedet, wie Heinrich VI. zurück auf den Thron kann. Ohne Unterstützung durch andere Adlige wäre das aussichtslos geblieben


Lancaster wendet das Blatt


Aber die Lancasters blieben in Schottland nicht untätig. Sie sammelten Truppen für eine Gegenoffensive, um den Thron zurückzuerobern. Anfang des Jahres 1470 war es schließlich so weit. Der Graf von Warwick, der bisher das Haus York unterstützt hatte, wechselte auf die Seite der Lancasters, weil er sich durch das Verhalten König Eduards IV. hintergangen und gedemütigt gefühlt hatte.


Der Graf von Warwick zettelte einen Aufstand in Nordengland an. In dessen Verlauf konnte der neue König von den Aufständischen festgenommen werden. Aber Eduard IV. war sehr beliebt, so dass der Graf von Warwick ihn wieder freilassen und selbst nach Calais in Frankreich fliehen musste.


Der König von Frankreich mischt mit


Im Juli 1470 versuchte der Graf von Warwick zusammen mit Königin Margarete erneut, König Eduard IV. abzusetzen. Sie hatten Ludwig den IX., König von Frankreich auf ihre Seite ziehen können. Weil der große militärische Macht hatte, ging Eduard IV. freiwillig ins Exil nach Holland. Das Blatt hatte sich wieder zu Gunsten des Hauses Lancaster gewendet. Am 13. Oktober 1470 wurde Heinrich VI. wieder zum König ernannt.


Auch Eduard IV. wollte nicht so leicht klein beigeben. Im Exil in Holland sammelte auch er neue Truppen, um sich den Thron zurückzuerobern. Im Mai 1471 kam es zu einer blutigen Schlacht bei Twekesbury. Eduard konnte den Sohn Heinrichs VI. besiegen, wichtige Heerführer wurden in Schauprozessen hingerichtet. Königin Margaret geriet in Gefangenschaft und Heinrich VI. hingerichtet. Mit ihm erlosch die direkte Linie des Hauses Lancaster.


Eine Heirat beendet die Kriege


Eduard IV. regierte mit starker Hand bis 1483. Er schloss Frieden mit Ludwig IX. und wies in England den niederen Adel in seine Schranken. Er stärkte das Rittertum und förderte den Städtebau. Er starb nach kurzer Krankheit am 9. April 1483. Nach seinem Tode flammten noch einmal kurzzeitig Auseinadersetzungen auf.


Heinrich Tudor beendete schließlich nach 30 Jahren die blutigen Auseinandersetzungen zwischen den beiden verwandten Adelshäusern.


Der Bruder von Eduard, Richard III., trat die Nachfolge des Königs an. Allerdings war er nicht sehr beliebt. Das nutzte Heinrich Tudor aus, der als Verwandter des Hauses Lancaster seine Ansprüche auf den Thron durchsetzen wollte. In der Schlacht von Bosworth Field fiel Richard III., und Heinrich Tudor nahm als Lancaster den englischen Thron in Besitz. Er heiratete Elisabeth, die Tochter Eduard IV. aus dem Hause York, und setzte damit den Auseinandersetzungen der beiden verfeindeten Häuser ein Ende.




Text: -jj- / 19.5.2005 / Illustrationen: WAS IST WAS-Band 106: Burgen & WIW-Band 118: Mittelalter


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