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Aktuelles / Reportage Film / Hintergründe

Wie arbeitet ein Stuntman? Teil 1

Sicherheitshinweis: Alle hier dargestellten Stunts dürft ihr auf keinen Fall nachmachen!
 
Stuntmen (Mehrzahl des englischen Begriffs Stuntman) sind Profis für Filmszenen, in denen es gefährlich wird. Als Stunt-Double vertreten sie Schauspieler bei Aktionen, die diesen zu riskant sind oder die diese nicht beherrschen. Sigi Polap ist seit 18 Jahren Stuntman und arbeitet neben zahlreichen Auftritten in Film- und Fernsehproduktionen beim Stunt-Team der Bavaria Filmstudios in München mit.


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wasistwas.de: Wie bist du Stuntman geworden?


stuntman_sigi_sigiFoto: Sigi Polap
 
Ich wollte schon immer Schauspieler werden. Nachdem ich den Film Rocky 1 gesehen hatte, wusste ich, dass ich trainieren muss, um etwas zu erreichen. Ich ließ mein Fahrrad vor dem Kino stehen und joggte den ganzen Weg bis nach Hause. Zunächst wollte ich Profi-Boxer werden und trainierte hart für dieses Ziel.
 
Bei einem Besuch der Stuntshow in den Bavaria Filmstudios bekam ich dann Kontakt zum Stunt-Team, das diese Vorführungen präsentiert. Ich wurde in das Team aufgenommen und erhielt dort eine Ausbildung zum Stuntman.


wiw.de: Bei welchen Filmen hast du mitgespielt?


stunt_sigi_marioFoto: Sigi doubelt Mario Adorf als Weihnachtsmann in "Es ist ein Elch entsprungen".
 
Als Stuntman wirke ich nicht nur in reinen Action-Filmen mit sondern bin in den verschiedensten Film-Genres zu sehen. Zum Beispiel in „Herr Bello“, (T)Raumschiff Surprise – Periode 1“, den TV-Dramen „Dresden“ und „Untergang der Pamir“ sowie in mehreren Folgen von „Aktenzeichen XY ungelöst“ und „Tatort“ um nur einige zu nennen. Dabei habe ich schon viele national und international bekannte Schauspieler wie Rick Kavanian, Christian Tramitz, Jürgen Prochnow und Mario Adorf gedoubelt.


wiw.de: Was sind deine Aufgaben als Stuntman?


stunt_sigi_kampfFoto: Kampfszene
 
Generell kann ich die verschiedensten Arten von Bodystunts ausführen, also Prügelszenen, Feuerstunts, Kampfchoreografien, Treppenstürze oder Autoüberschläge. Ich springe durch Glas und lasse mich von Autos überfahren. Besonders spezialisiert habe ich mich auf Höhenstürze (Highfalls) aus bis zu 25 Metern und Motorradstunts.


stunt_show_sprungFoto: Szene aus Stuntshow in den Bavaria Filmstudios.
 
Manchmal trainiere ich auch Schauspieler für bestimmte Aufgaben. Wenn ein Darsteller seinem Gegenüber eine Ohrfeige geben muss, kann ich ihm helfen, dass das richtig echt wirkt. Bei manchen riskanten Szenen kann ein Schauspieler nicht gedoubelt werden, weil sein Gesicht ganz genau zu sehen ist. Dann trainiere ich mit ihm etwa, wie er auf spektakuläre Weise eine Treppe hinunter rennen kann ohne sich dabei zu verletzen.


wiw.de: Bist du als Stuntman ein „Einzelkämpfer“?

Nein, als Stuntmen arbeiten wir immer im Team. Zu unserem Team gehören Stuntmen mit ganz unterschiedlichem Aussehen, Größe, Statur etc., sodass für jeden Schauspieler das passende Double dabei ist. Beim Filmdreh ist dann meist der Stunt-Darsteller und ein Koordinator aus unserem Team dabei.


stunt_sigi_motorrad1Foto: Motorradstunt
 
Während sich der Darsteller auf seinen Einsatz vorbereitet, sich aufwärmt und mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut macht, kümmert sich der Koordinator um alles andere: er bespricht sich mit dem Regisseur, berät die Kameraleute, wo genau sie ihre Kameras positionieren müssen, und welche Einstellungen zu wählen sind um z. B. einen Motorradstunt gut filmen zu können.


wiw.de: Wie oft musst du eine Filmszene spielen, bis sie gut ist?


Als Stuntman muss ich exakt vorhersagen können, wo z. B. mein Motorrad liegen bleibt, wenn ich einen Unfall darstelle. Das habe ich vorher so oft geübt, dass ich genau weiß, wie mein Körper und das Fahrzeug sich verhalten. Ich schaue auch selbst vor dem Drehen durch die Kamera um mich zu vergewissern, wie ich zu sehen sein werden.


Denn gerade bei sehr materialintensiven Sequenzen wie etwa einem Motorradsturz muss die Szene beim ersten Mal filmen klappen. Sonst bräuchte ich ja nochmal ein neues Motorrad und neue Kleidung, denn das geht ja alles kaputt dabei.


sigi_sprung18Foto: Sigi springt aus 18 Metern Höhe.

 
Auch bei außerordentlich gefährlichen Stunts wie Sprüngen aus 20 Metern Höhe, sollte es gleich klappen. Um sicher zu gehen, wird mit mehreren Kameras aus verschiedenen Positionen gefilmt. Dann ist bestimmt die richtige Einstellung dabei.


Treppen- und Feuerstunts sowie Sprünge aus weniger als zehn Metern werden hingegen oft zwei- oder dreimal wiederholt und aus verschiedenen Perspektiven gefilmt.


Wie bereitest du dich auf einen Auftritt vor?


Das ist ganz unterschiedlich, je nach Aufgabe. Wenn ich aus großer Höhe in einen Haufen Pappkartons springe, beaufsichtige ich das Aufstellen der Kartons selbst. Schließlich hängt mein Leben davon ab, dass hier alles richtig gemacht wird.


stuntman_sigi_indianaFoto: In einer Werbekampagne für "Indiana Jones" fuhr Sigi ein Motorrad mit Beiwagen.
 
Für komplizierte Motorradstunts, etwa Sprünge mit einem Motorrad mit Beiwagen, trainiere ich längere Zeit, um genau zu wissen, wie das Fahrzeug reagiert, auch auf unebenem Boden oder in der Kurve. Oder ich probiere eine Situation viele Male aus, bevor ich genau weiß, wie schnell ich fahren muss, damit ich beim Abspringen vom Motorrad eine andere Person umspringen kann.
 
Die Fortsetzung dieses Interviews lest ihr ab 25.11.2007 hier auf www.wasistwas.de
 
Links


Bavaria Filmstudios Stuntshow
Das Stunt-Team zu dem Sigi gehört heißt Stuntmac.
 
 
 
Text: lm - 22.11.07; Fotos: Stuntshow: Bavaria Filmstudios; alle anderen: S. Polap.

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