Mein Name ist Sarah, ich bin 16 Jahre alt und normalerweise Schülerin. Doch für ein Wochenende war ich Schauspielerin in einem Lehrfilm, den englische Schulen als Lehrfilm für ihren Deutschunterricht verwenden können. Von dieser aufregenden Zeit berichte ich hier.
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Wie ich zur Rolle kam ...
Alles begann damit, dass ich einen Anruf vom Regisseur erhielt. Der Regisseur ist für die gesamte Filmproduktion verantwortlich, vom Drehbuch über das Licht und die Maske, bis hin zum eigentlichem Film.
Geschminkt zu werden ist sehr wichtig: Durch die Kamera werden kleinste Falten und glänzende Stellen sichtbar. Die müssen durch Puder abgedeckt werden.
Weil ich schon früher als Sprecherin bei Sprachkursen mitgewirkt habe, hatte er an mich gedacht, als er den Auftrag bekam, Lehrfilme für englische Schulen zu produzieren. Natürlich war ich sofort dabei und bald darauf begannen die ersten Proben für die einzelnen Szenen. Jessy, unsere Betreuerin, ging mit uns den Text durch und wir übten die genaue Aussprache. Wir mussten sehr langsam und kontrolliert sprechen, weil die englischen Kinder natürlich noch nicht so gut deutsch können.
Jeder von uns vier Jugendlichen bekam eine Rolle zugeteilt, meine war „Girl 2“. Aber das war natürlich nur mein organisatorischer Name, in den richtigen Szenen hieß ich unter anderem Vero und Lisa.
Wie ein Filmstar
Eine schwierige Szene: Die Bäume werfen viel Schatten. Aber Kameramann und Tontechniker lösen dank ihrer Erfahrung das Problem. Alle auf dem Bild z usehenden Personen haben eine wichtige Funktion beim Dreh: Kameramann, Tontechniker, Schauspieler, Kabelträger und Scriptgirl, das auf den Text achtet.
Der erste Drehtag war ein Samstag. Die ersten Mitarbeiter waren schon gegen sieben Uhr am Set (dem Drehort) und bauten die Kamera, die Lichttechnik und, natürlich ganz wichtig, das Buffet auf. Ich musste zum Glück erst gegen zwölf Uhr dort sein und als ich ankam, war alles schon in vollem Gange. Mareike, 15, hatte gerade ihre erste Szene abgedreht und war begeistert: „Das macht so Spaß, Wahnsinn, man kommt sich vor wie ein Filmstar!“
Viel Zeit mich umzusehen hatte ich nicht, sofort musste ich in die Maske und wurde geschminkt. Ich ging ein letztes Mal meinen Text durch und langsam aber sicher wurde ich ein bisschen nervös. Es dauerte noch, bis ich endlich anfangen konnte zu spielen, aber ich musste mich schon auf meinen Platz setzen, damit der Tontechniker sein Mikrofon einstellen konnte, das er an einem langen Stab über die Schauspieler hielt, so dass man es im Bild letztlich nicht sieht.
Kamera läuft
Die erste Szene spielte in einer Küche und wir drehten sie in der Wohnung des Regisseurs. Ich spielte die Tochter, die von der Schule nach Hause kommt und Cordula spielte meine Mutter, die in der Küche saß und mich begrüßte (siehe Bild).
Als wir endlich anfingen, klappte wider Erwarten sogar alles ziemlich gut, ich vergaß meinen Text nicht und fand, dass ich meine Sache fürs erste Mal nicht schlecht machte. Trotzdem hatte der Regisseur viel auszusetzen. „Langsamer reden“ hörte ich ziemlich oft und auf besonders viele winzige Kleinigkeiten musste ich achten. „Rück' leiser mit dem Stuhl, das hört man sonst zu laut!“ „Den Ellbogen zwei Zentimeter weiter nach links ins Bild rein!“
Dann stimmte mal etwas nicht mit der Beleuchtung, das Mikrofon war trotz aller Bemühungen im Bild oder draußen läuteten einfach die Kirchenglocken, so dass wir es immer und immer wieder drehen mussten.
Innendrehs sind eine besondere Herausforderung: Wenig Platz, Hitze durch die Scheinwerfer, aber trotzdem volle Konzentration.
Schließlich dachte ich, wir wären fertig, doch der Kameramann Rüdiger wechselte nur die Perspektive. Hatten wir vorher von der Totalen gedreht, wechselten wir jetzt auf ein Close-up von meinem Gesicht. Totale und Close-up bezeichnen beide die Größe des im Bild gezeigten Ausschnitts. Die Totale zeigt die ganze Szene aus größerer Distanz mit beiden Darstellern im Bild, im Close-up sieht man mehr Details meist von nur einem Darsteller, in diesem Fall von mir.
Und die Gurken, bitte!
Zu guter Letzt wollte Rüdiger filmen, wie die Gurken geschnitten wurden, „als Füllmaterial“, wie er sagte. Na, wenn er meinte ... Da brauchte ich zum Glück nicht mehr mitspielen. Bis die Szene endlich „im Kasten war“, dauerte es über eine Stunde. Im fertigen Film jedoch wird sie wahrscheinlich nicht länger als eine Minute dauern.
Regisseur und Assistenten überwachen den Dreh am Monitor. Der Regisseur hat das letzte Wort bei der Szenenauswahl.
Insgesamt hatte ich vier Szenen zu drehen, mal alleine, mal wurde ich interviewt und einmal telefonierte ich mit meiner Freundin. Aber auch wenn ich nicht dran war, blieb ich am Set und sah zu. Ich durfte auch den Aufheller halten und damit die Gesichter der Schauspieler ausleuchten. Oder, wenn sich der Drehort in der Öffentlichkeit, zum Beispiel auf dem Marktplatz befand, musste ich die Schaulustigen vom Set fernhalten. Natürlich lockte das Filmset viele Neugierige an, die aber auf keinen Fall durchs Bild laufen durften.
Ich bin wirklich froh, einmal bei einer Filmproduktion dabei gewesen zu sein. Zwar möchte ich später eigentlich nicht Schauspielerin werden, aber trotzdem war es eine tolle und einmalige Erfahrung. Vorher hätte ich nie gedacht, wie lange es dauert ein paar Szenen zu drehen. Und der Aufwand für diese Lehrfilme war relativ klein im Vergleich zu abendfüllenden Kinofilmen.