Die Golden Globes sind nach dem Oscar einer der wichtigsten internationalen Filmpreise. Doch 2008 ist alles anders: Die Drehbuchautoren streiken bereits seit mehr als zwei Monaten. Um sie zu unterstützen, haben viele Stars der Filmbranche beschlossen: wir kommen nicht zur Preisverleihung. So wurde das Spektakel schließlich ganz abgesagt. Statt Schaulaufen auf rotem Teppich gibt es daher nur eine Pressekonferenz.
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Worum geht es bei den Golden Globes?
Die Golden Globes sind Filmpreise, die ihren Namen nach der begehrten Trophäe erhalten haben: einem goldenen Globus mit Filmstreifen. Anders als bei den Academy Awards (Oscars) werden hier neben Kinofilmen auch Fernsehproduktionen ausgezeichnet.
In 13 Film- und elf Fernsehkategorien werden Auszeichnungen vergeben, die fast so viel wert sind wie ein Oscar. Die Preisverleihung wird seit 1944 von der Hollywood Foreign Press Association organisiert. Das heißt über die Vergabe der Auszeichnungen bestimmen nicht wie bei den Academy Awards in erster Linie Amerikaner, sondern etwa 100 internationale Journalisten, die in Hollywood in der Filmbranche arbeiten.
Roter Teppich, viel Glamour, Blitzlichter und Show gehören normalerweise zur Preisverleihung, denn alljährlich treffen sich zu diesem Anlass Hollywoods Stars und Sternchen. Normalerweise! Doch 2008 ist alles anders.
Was hat der Drehbuchautoren-Streik mit den Golden Globes zu tun?
Foto: Streik der amerikanischen Drehbuchautoren im November 2007.
Seit November 2007 streiken etwa 3000 amerikanische Drehbuchautoren. Sie prangern damit folgendes Problem an: Filmfirmen vermarkten ihre Produkte nicht mehr nur über Kinos und das Fernsehen, sondern auch als DVDs, über das Internet und den Mobilfunk. Eigentlich müssten die Drehbuchautoren an den Einnahmen aus diesen neueren Quellen stärker als bisher beteiligt werden. Doch diese Forderung stößt bei den Produzenten bislang auf taube Ohren.
Eine Einigung zwischen der Autorengewerkschaft WGA und den Filmfirmen scheint deshalb nicht in Sicht. Auch die Firma Dick Clark Productions, die für die Organisation der Golden Globes Gala zuständig ist, gehört zu den „Gegnern“ der Drehbuchschreiber.
Daher kündigte die WGA an, bei der Preisverleihung Streikposten zu errichten. Streikposten sind Gewerkschaftsmitglieder, die dafür sorgen, dass auch ihre Kollegen streiken und nicht arbeiten gehen. Sie hätten ihre Gewerkschaftskollegen davon abhalten sollen, am Golden Globe Fest teilzunehmen.
Auch viele Filmschauspieler sind in einer mächtigen Gewerkschaft organisiert. Um ihren schreibenden Kollegen nicht zu schaden haben sie sich solidarisch mit ihnen erklärt. Das bedeutet, sie unterstützen die Streikenden und bringen das zum Ausdruck indem sie der Gala fernbleiben. Auch Stars wie Julia Roberts, Tom Hanks oder George Clooney sagten ab.
Letztlich entschieden die Organisatoren, die Gala ganz ausfallen zu lassen. Die Preisträger werden nun schlicht und einfach bei einer Pressekonferenz bekannt gegeben. Sehr zum Ärger des TV-Senders NBC, der die Show hätte übertragen sollen und dem nun durch die entfallenden Werbeeinnahmen mehrere Millionen Dollar durch die Lappen gehen.
Und hat gewonnen?
Foto: Keira Knightley wurde als beste Hauptdarstellerin des Dramas "Abbitte" nominiert, konnte sich aber nicht gegen Julie Christie ("An ihrer Seite") durchsetzten.
Natürlich gab es auch 2008 wieder einige Favoriten. Ungewöhnlich ist, dass diesmal sieben statt bisher fünf Film-Dramen nominiert wurden. Unter ihnen auch Joe Wrights „Abbitte“, der in sieben Kategorien vorgeschlagen wurde und letztlich zwei erhielt - den Preis für das beste Drama und für die beste Filmmusik.
Nach zahlreichen erfolglosen Nominierungen in der Vergangenheit erhielt Johnny Depp 2008 erstmals einen Golden Globe - als bester Hauptdarsteller in der Komödie Sweeney Todd. Auch der Film wurde ausgezeichnet. Den Preis für den besten Animationsfilm erhielt "Ratatouille"
Der sechsfache Golden-Globe-Gewinner Steven Spielberg (siehe Foto rechts) erhält die Cecil B. DeMille Awards für sein Lebenswerk – verliehen wird diese Auszeichnung jedoch erst 2009.
Besondere Bedeutung haben die Golden Globes auch deshalb, weil sie als Stimmungsbarometer für die Verleihung der Oscars am 24. Februar gewertet werden. Ob dieses Großereignis jedoch wie gewohnt stattfinden kann oder ob es auch den Streiks zum Opfer fallen wird ist bislang unsicher.
Alle Nominierungen und Gewinner lest ihr auf der offiziellen Website der Golden Globes.
Text: lm – 10.01.2008, Fotos: Filmklappe: Tessloff Archiv ; Keira Knightley: cc-by-sa: Marcus Cancelo, die übrigen: pd.