Alle zwei Jahre vergibt die Evangelische Medienzentrale Bayern den Deutschen Menschenrechts-Filmpreis. 2004 wurden 120 professionelle und 42 Amateurfilme bei den beiden Fachjurys eingereicht. Diese haben sich für sehr unterschiedliche Werke entschieden.
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Szene aus "Gott segne unseren Überfall"
Profi- Preisträger 2004
Preisträger des Menschenrechts-Filmpreises 2004 war Martin Buchholz mit der SWR-Produktion "Gott segne unseren Überfall", die in Holland im Zweiten Weltkrieg spielt. Der Film dokumentiert die Erinnerungen einer holländischen Widerstandskämpferin, die gemeinsam mit ihrem Freund, um ihren jüdischen Freunden zu helfen, Pässe fälschen, in Verwaltungsbüros einbrechen und Lebensmittelmarken klauen. In eindringlichen Bildern wird dieser Widerstandkampf von Diet Eman und Hein Sietsma geschildert und ihr Versuch, jüdische Landsleute vor der Vernichtung zu verstecken. Dabei wird es für die beiden immer gefährlicher und schließlich wird Hein Sietsma verhaftet und ins KZ gebracht.
Ein beeindruckender Film über den Mut von einzelnen Menschen, über das Gefühl etwas tun zu müssen und es auch zu tun - und dabei selbst die große Liebe des Lebens zu verlieren.
Amateur-Preisträger 2004
Den ersten Preis im Bereich "Amateur" erhielt 2004 die junge Filmemacherin Daniela Perathoner für ihren siebenminütigen Film "Edwins Welt". Edwin ist ein 26 jähriger Erwachsener mit Down-Syndrom. In dem Porträt erzählt er vom Umgang mit anderen Menschen, seinen Träumen und Ängsten. Edwin ist der Bruder von Daniela, die beide haben einen sehr persönlichen Film gedreht, der versucht mit der Angst des Bruders, aber vor allem auch mit der Angst von Fremden vor dem Bruder umzugehen. Und am Ende bleibt die Frage "Wer ist eigentlich der Andere?"
aus "Moderne Sklavinnen"
Die weiteren Preise
Den 2. Preis bei den Profis bekam "Moderne Sklavinnen" von Ulrike Baur vom ZDF - eine sher mutige Reportage, die uns in mehrere Länder führt. Er behandelt das Thema Frauenhandel am Beispiel einer 19jährigen Rumänin. Sie lebt mittlerweile unter anderem Namen in Italien und hat den Mut gefunden, ihre Geschichte zu erzählen. Dabei wurden auch die Mädchenschieber mit versteckter Kamer. Der 44 minütige Film wurde 2003 produziert.
Den 2. Platz bei den Amateuren belegte "Ehre und Recht - Der Stärkere gibt nach" der Jugendgruppe Chip 36 aus Berlin. In dem siebenminütigen Film gehen Jugendliche dem Begriff "Ehre" nach und versuchen herauszufinden, was Ehre für jeden einzelnen bedeutet. Während der Dreharbeiten entwickelten die Jugendliche immer neue Ideen und so gibt es auch einen eigenen Rap zu diesem Thema. Ein sehr interessanter Film, der keine Antwort gibt, aber einen selbst über den "Ehrbegriff" nachdenken lässt.
Den 3. Preis bei den Profis erhielten Julie von Kessel und Udo van Kampen für "The Innocence Project" - "Das Unschuldigen-Projekt". In der 20 Minuten - Reportage geht es um einen US-amerikanischen Professor und eine Gruppe Studenten, die die Akten von zu Tode verurteilten nochmals studieren und prüfen, ob es nicht Beweise gibt, die tatsächlich die Unschuld der Todeskandidaten feststellen lassen.
"Das Waisenhaus" von Die 3-100 aus Graz, Catalina Molina und Sarah Schalk, wurde von der Jury mit dem 3. Preis der Amateure ausgezeichnet. In diesem 11 Minuten langen Film wird das Thema Einsamkeit und Isolation behandelt. Eine Gruppe von Kindern wird in einem Haus festgehalten. In dem eindringlichen Schwarz-Weiß-Film wird gezeigt, wie diese Kinder auf Abneigung, Angst und Unterdrückung reagieren und was in der Gruppe schließlich dazu führt, sich selbst aus dieser Gemeinschaft zu befreien.
Die Preisvergabe fand am 11. Dezember 2004 in Nürnberg statt. Bei diesem Preis geht es immer wieder darum, das Thema Menschenrechte in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.
Foto aus einem Wettbewerbsbeitrag 2002
Menschenrechte
Am 10. Dezember 1948 wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen unterzeichnet. Obwohl viele Nationen am 10. Dezember, als Gedenktag an dieses Ereignis, immer wieder gern an die Menschenrechte erinnern, werden diese Rechte im normalen Alltag oft vernachlässigt oder sogar vollkommen außer Kraft gesetzt. Kinderarbeit, sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse, schlechte Gesundheits- und Lebensbedingungen, rassistische Vorurteile, Armut, die Verletzung der Presse- und Redefreiheit und vieles mehr sind in vielen Ländern an der Tagesordnung. Darauf möchte der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis aufmerksam machen und gleichzeitig auch an die erinnern, die sich als Filmemacher mit diesen Themen auseinandersetzen, auch wenn das für sie durchaus gefährlich sein kann:
Logo des Menschenrechts-Filmpreises
„Seit 1998 zeichnet der Deutsche Menschenrechts-Filmpreis herausragende Produktionen zu Menschenrechtsthematiken aus. Er dokumentiert und würdigt auf diese Weise den erfolgreichen, oft lebensgefährlichen Einsatz engagierter Filmemacher/innen für die Einhaltung der Menschenrechte.
Gleichzeitig lenkt er das öffentliche Interesse auf Menschenrechtsverletzungen und Menschenrechtsarbeit und fördert so die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit diesen Themen.“
So zu lesen auf www.menschenrechts-filmpreis.de
Auch für Jugendliche
Jugendliche sollen doppelt angesprochen werden: Jugendliche Filmemacher und Filmemacherinnen erhalten, falls erwünscht, eine medienpädagogische Unterstützung. Sie sollen die Chance bekommen, aktiv den Umgang mit dem Medium Fernsehen oder Video zu erfahren. Dadurch lernen sie die vielen verschiedenen Facetten der Medien besser kennen und gehen kritischer mit Sendungen und ihren Inhalten um. Hinzu kommt, dass sie sich intensiv mit einem wichtigen gesellschaftlichen, weltweiten Problem auseinandersetzen.
Aus "Gipfelstürmer" 1. Preis bei den Profi- Filmemachern 2002
Wer nimmt teil?
Auch dieses Jahr bewarben sich Profi- und Amateurfilme aus dem In- und Ausland. Die Profi- Filme dürfen nicht länger als 45 Minuten dauern und nicht älter als aus dem Jahr 2002 sein. Sie müssen deutsch oder mit deutschem Untertitel sein. Sie können im Fernsehen gelaufen sein, im Kino oder auch als Video eingeschickt werden.
Thematisch gibt es eine große Bandbreite: durchaus „deutsche“ Themen wie Rechtsradikalismus, die Aufarbeitung der Nazizeit oder soziale Menschenrechtsfragen sind stark vertreten.
Die Amateurfilme, also Filme von Leuten, die keine filmische Ausbildung durchlaufen haben und auch mit dem Filmemachen nicht ihr Leben finanzieren, dürfen nicht länger als 10 Minuten sein und dürfen auch nicht vor 2002 produziert worden sein. Auch Klassen, Schulen, Stadtteilzentren oder Jugendgruppen können mitmachen. Dieses Jahr kamen bei den Amateuren 42 Beiträge, darunter wieder zahlreiche Arbeiten von Jugendlichen auch aus der Schweiz oder Österreich.
Mitmachen beim Deutschen Menschenrechts- Filmpreis 2008
Die nächste Preisverleihung findet 2008 statt. Bewerbungen sind bis zum 1. Oktober 2007 möglich. Mitmachen dürfen Profi- und Amateur-Filmemacher aus der ganzen Welt, die Filme müssen nur wieder auf Deutsch sein oder mit deutschem Untertitel. Wenn Schulen, Jugendliche, Vereine oder Gruppen mitmachen möchten, können sie sich gerne technische und medienpädagogische Hilfe holen.