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Aktuelles / Reportage Film / Hintergründe

1919 wurde United Artists gegründet

Anfang des 20. Jahrhunderts beginnt die Kinobranche in Amerika zu boomen. So gibt es 1916 in den USA schon 28000 Kinos. Ein riesiger Markt, der von Anfang an von einigen wenigen Produktionsfirmen beherrscht wird. Gegen diese großen Studios traten vor 85 Jahren vier Stars an: Charlie Chaplin, Douglas Fairbanks, Mary Pickford und der Regisseur David W. Griffith gründeten die United Artists (die vereinten Künstler) um die uneingeschränkte Macht der großen Studios zu brechen.

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hintergrund_unitedartists.jpgNickeldons gegen Langspielfilme
 
Um 1912 gab es vor allem so genannte Nickeldons. Das Wort setzt sich zusammen aus „Nickel“ und „Odeon“. Ein Nickel entsprach fünf Cents und war der Eintrittspreis in die Vorführräume. „Odeon“ ist das griechische Wort für kleines Gebäude zur Aufführung von Musik und Schauspiel. In den Nickelodeons wurden so genannte Ein- oder Zwei-Akter mit einer Aktlänge von ca. zehn Minuten vorgeführt. Mehr als die Hälfte dieser Nickeldons gehörten einem Unternehmen. Um dagegen anzugehen, produzierten unabhängige Firmen einfach eine neue Form des Films: den Langspielfilm.
 
“Birth of a Nation"
 
D. W. Griffith machte als einer der ersten Amerikaner erfolgreich einen Langspielfilm mit „The Birth of a Nation“, 1915. Diese Produktion kostete für damalige Verhältnisse die riesige Summe von rund 110 000 Dollar – der bis dahin teuerste Film. Aber er spielte schließlich zwischen 50 und 100 Millionen Dollar ein. Das war der Durchbruch der langen Filme.
 
Wie wird man als Filmfirma reich?
 
Ein Beispiel bietet „Paramount“. Die Produktionsfirma nahm große Stars unter einen längeren Vertrag. Dann produzierte sie eine Reihe von Filmen mit diesem Star, etwa mit Mary Pickford, die damals die unangefochtene Nummer 1 unter den weiblichen Stummfilm-Darstellerinnen war. Den Kinobesitzern wurden diese Filme von Pickford nur im Packet angeboten, nicht einzeln. Da die Qualität der Filme innerhalb eines Packets sehr unterschiedlich war, mussten die Kinobesitzer auch schlechte Filme nehmen. Aber auf solch ein Packet zu verzichten, ging auch nicht - schließlich wollten die Zuschauer ihre Stars sehen!
 
Gegenschlag der Kinobesitzer
 
1917 hatten die Kinobesitzer das satt. 26 der größten nationalen Kinokettenbesitzer gründeten gemeinsam den „First National Exhibitors Circuit“. Gemeinsam wollten sie Filme kaufen und verleihen. Außerdem war ihr Ziel, Stars zu kaufen, ihre Filme zu finanzieren und dafür das Aufführungsrecht zu erwerben sowie das Recht, die entstandenen Filme regional weiter zu verleihen. Bald begann man selbst zu produzieren. So erhielten zwischen 1917 und 1918 Charlie Chaplin und Mary Pickford für jeweils eine Million Dollars einen Vertrag. Beide hatten vollständige künstlerische Freiheit. First National kontrollierte zu diesem Zeitpunkt bereits ca. 600 Kinos. Während die Produktion von Filmen immer ein finanzielles Risiko bedeutete, waren die Kinosäle sicherere Einnahmequellen.
 
„Paramount“ hatte Angst um seine Verleiher und um sein Publikum – deshalb stieg das Unternehmen ebenfalls in das Geschäft mit Kinosälen ein.
 
Die Stars und ihre Gagen
 
Einige wenige Produktionsfirmen teilten sich den gesamten Filmmarkt. Zur gleichen Zeit wurden auch die Filme immer teurer. Zwischen 50.000 und 100.000 Dollar pro Film waren normal, nach oben gab es keine Beschränkungen. Ein Großteil dieses Geldes floss in die Taschen der Stars. Um den immer steigenden Forderungen der Stars zu entkommen planten „Paramount“ und der „First National Exhibitors Circuit“ einen Zusammenschluss – damit wäre ein Kinoriese mit aller Macht auf dem Markt entstanden. So sollte mit jedem bedeutenden Kinobesitzer der USA ein Fünf-Jahres-Vertrag abgeschlossen werden. Die Stars hätten dann keine Möglichkeit mehr gehabt, Forderungen zu stellen, weder künstlerischer Art noch in der Höhe der Gage.
 
Der Verdacht 

Zur gleichen Zeit waren Charlie Chaplin, Mary Pickford, Douglas Fairbanks und D. W. Griffith „die“ Leinwandstars der Zeit. Doch irgendetwas lief schief: „Paramount“ weigerte sich ihre Verträge zu verlängern. Das kam den vier Stars sehr merkwürdig vor. Sie engagierten einen Privatdetektiv um herauszufinden, was los war. Der geplante Zusammenschluss zwang sie zu reagieren: sie beschlossen ihre eigene Firma zu gründen.
 
United Artists
 
Am 17. April 1919 wurde das Unternehmen United Artists als Gesellschaft für den Filmvertrieb ins Handelsregister eingetragen. Die Gesellschaft hatte keine eigenen Studios, sondern nutzte die Studios seiner Mitglieder. Vor allem im Bereich des Filmverleihs setzte die United Artists neue Maßstäbe, wie die Gewinnbeteiligung der Schauspieler und Filmemacher. Unabhängige Produktionen garantierten außerdem weitgehend künstlerische Freiheit und boten Platz für ungewöhnliche Stoffe. Außerdem gewann man namhafte Persönlichkeiten wie Gloria Swanson, Samuel Goldwyn, Howard Hughes und Walt Disney als Produzenten.
 
United Artists feierte große Erfolge mit Filmen wie „Das Zeichen des Zorro“, 1920, mit Douglas Fairbanks in der Titelrolle, „Der kleine Lord“ 1921, mit Mary Pickford und „Goldrausch“ 1925, dem Riesenerfolg mit Charles Chaplin.
 
Die großen „Unabhängigen“
 
Durch den 1. Weltkrieg liegt währenddessen in Europa die Filmindustrie brach. Europäische Filmfirmen gehen Pleite – die amerikanischen übernehmen den Weltmarkt. So entstanden zu dieser Zeit noch heute bekannte Film- und Verleihfirmen wie „Paramount“, „Universal“, „MGM“, “Twentieth Century Fox“ oder eben „United Artists“. Nach und nach übernahmen diese Studios das Ruder in der Filmindustrie. Sie boten alles aus einer Hand: Produktion und Verleih der Filme sowie Präsentation in den entsprechenden Kinos. Erst Ende der 40er-Jahre gelang es, vor Gericht dieses Monopol anzufechten. Danach mussten diese Firmen ihre Kinos verkaufen.
 
1951 verkauften die Gründer Chaplin und Mrs Pickford ihre Anteile. Danach planten die neuen Eigentümer einen Ausbau der Studios in Richtung Musik und Fernsehen. 1967 kaufte der Lebensversicherer und Autofinanzierer Transamerica Inc. die United Artists, der sie 1981 an Metro Goldwyn Mayer verkaufte.
 
Besonders wertvoll ist das Filmarchiv der United Artists. Es umfasst neben 2600 Stunden TV-Programm 1200 Spielfilme, darunter Klassiker wie "Das Appartement", "Manche mögen`s heiß", "West Side Story", "Zwölf Uhr mittags?“ sowie alle James Bond-Filme.
 
-ab-16.04.04 Text / Foto: Fischer Verlag.

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