Sicherheitshinweis: Alle hier dargestellten Stunts dürft ihr auf keinen Fall nachmachen!
Stuntmen (Mehrzahl des englischen Begriffs Stuntman) sind Profis für Filmszenen, in denen es gefährlich wird. Als Stunt-Double vertreten sie Schauspieler bei Aktionen, die diesen zu riskant sind oder die diese nicht beherrschen. Sigi Polap ist seit 18 Jahren Stuntman und arbeitet neben zahlreichen Auftritten in Film- und Fernsehproduktionen beim Stunt-Team der Bavaria Filmstudios in München mit. Im ersten Teil des Interviews hat Sigi erzählt, wie er Stuntman wurde und welche Aufgaben er in seinem Beruf bewältigen muss (siehe Link am Ende der Seite).
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wasistwas.de: Welche Voraussetzungen braucht man für die Arbeit als Stuntman?
Foto links: Sigi Polap.
Grundsätzlich muss ich immer bei sehr guter Fitness sein und mich 100-prozentig auf meinen Körper verlassen können. Krafttraining, Laufen und Squash gehören zu meinem Übungsprogramm.
Wenn man Stuntman wird, muss man seinen Körper immer wieder dazu bringen, seine normalen Schutzreaktionen auszuschalten. Wenn ich von einem Gerüst springe darf das nicht aussehen wie ein Sprung sondern so als würde ich versehentlich hinunterfallen. Erst im letzten Augenblick vor dem Aufprall muss ich mich in die richtige Position drehen und alle Muskeln anspannen.
Foto rechts: Sprung von einem Gerüst in der Stuntshow der Bavaria Filmstudios.
Lebenswichtig ist auch, dass ich meine Grenzen kenne und genau weiß, was ich mir zutrauen kann und was nicht. Da ich nicht gut tauchen kann würde ich keine Unterwasser-Stunts machen, bei denen ich mehrere Minuten in der Tiefe bleiben müsste.
Foto: Sigi als geklonter Mutant in "A Space Travesty".
Wenn man Stuntman werden möchte ist es außerdem sinnvoll, mehrere Fremdsprachen zu beherrschen, Englisch ist besonders wichtig. Außerdem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Stuntman ein echter Knochenjob ist. Das ist richtig harte Arbeit. Das Tolle an dem Beruf ist, dass man bei den unterschiedlichsten Filmen mitwirken kann, berühmte Schauspieler kennen lernt und viel in der Welt herum kommt.
wiw.de: Kannst du uns einige deiner Tricks verraten?
Ein Beispiel: wenn bei einer Prügelszene jemandem eine Flasche auf den Kopf geschlagen wird, verwendet man eine Flasche aus so genanntem Zuckerglas. Früher nutzte man dafür tatsächlich eine Masse aus gehärtetem Zucker. Heute bestehen diese Requisiten aus einer Kunstharzlegierung, deren Splitter relativ ungefährlich sind.
Foto: Autostunt
Ein anderes Beispiel: Wenn ich mich eine Treppe hinunterfallen lasse, versuche ich, dass mein Körper die Treppe so wenig wie möglich berührt. Dazu muss ich meine normalen Reflexe ausschalten. Normalerweise versucht man in einer solchen Situation, sich festzuhalten. Genau das darf ich nicht tun. Außerdem trage ich für einen Treppenstunt Knie-, Ellenbogen und Rückenschützer, die im Film nicht zu sehen sind.
wiw.de: Welche Tricks gibt es bei Highfalls?
Foto links: Vorbereitungen für einen Sprung in Kartons aus über 20 Metern Höhe in einem Steinbruch".
Wenn ich aus großen Höhen um 25 Meter stürze, verwende ich fast immer einen Berg Pappkartons als Aufprallschutz.
wiw.de: Keine Luftkissen?
Natürlich kann man auch Luftkissen verwende. Das Problem ist jedoch, dass Luftkissen nur bis zu einer gewissen Neigung nachgeben, dann aber knallhart werden, sodass sie Knochen brechen können. Pappkartons hingegen geben so lange nach, bis durch die Luftpressung meine Geschwindigkeit kompensiert ist. Und da gibt es viel zu kompensieren, schließlich wirkt auf meinen Körper das sechs- bis siebenfache meines Körpergewichtes, wenn ich aus 20 Metern Höhe springe.
Foto rechts: Sprung aus circa 10 Metern Höhe von einem Trampolin in ein Luftkissen.
Wenn ich aus noch größerer Höhe springe, werden die Kanten der obersten Kartons eingesägt, damit sie schneller nachgeben.
Außerdem sind Pappkartons viel variabler einsetzbar: man kann sie auch dort einsetzten, wo ein großes Luftkissen überhaupt keinen Platz hätte, beispielsweise in einer engen Gasse.
wiw.de: Wo kann man dich live sehen?
Foto: Feuerstunt
Wenn ich nicht gerade bei Filmdreharbeiten bin, kann man mich live in der Stuntshow der Bavaria Filmstudios sehen. Außerdem biete ich auch ein Programm für Schulen an. Ich führe einen Stunt vor und erzähle von meinem Beruf. Dabei kommen auch Themen wie „Gewalt im Film“ zur Sprache und wir machen uns gemeinsam Gedanken darüber, wie „der Gute“ und „der Böse“ filmisch dargestellt werden.
Links
Bavaria Filmstudios Stuntshow
Das Stunt-Team zu dem Sigi gehört heißt Stuntmac.
Sigi für die Schule buchen könnt ihr hier.
Text: lm - 22.11.07; Fotos: Stuntshow: Bavaria Filmstudios; alle anderen: S. Polap.
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