Vor 55 Jahren bereitete ein neuartiges Breitwandverfahren, "CinemaScope" genannt, der "Fernseh-Krise" ein Ende. Endlich war eine Attraktion gefunden, die die Menschen wieder von den heimischen Flimmerkisten weglockte und die Filmindustrie schwarze Zahlen schreiben ließ.
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Der Aufschwung des Fernsehens im Jahre 1947 steht zeitgleich für eine Krise in der Filmindustrie. Von 26.000 Filmtheatern mussten 6.000 schließen. Der Verlust der Filmindustrie betrug schließlich über sechs Millionen Dollar. Attraktionen mussten her, die der Bildschirm nicht zu bieten vermochte. Man begann, an einer Reihe von Breitwandverfahren zu arbeiten.
Vom „Standardformat“ zum „Breitwandfilm“
Bis 1953 herrschte in den Lichtspielhäusern – den heutigen Kinos – ein bestimmtes Bildformat, das so genannte „Standard-“ bzw. „Normalformat“ vor. Der Begriff „Bildformat“ gibt das Verhältnis der Breite zur Höhe des Filmbildes wieder. Beim „Standardformat“ ist dies ein Verhältnis von 1,33:1. Das Filmbild ist also ein Drittel breiter als es hoch ist. Die Fernsehindustrie übernahm später das 1,33-Format. Somit unterschied sich der Fernsehfilm vom Kinofilm zunächst nur dadurch, dass die Bilder im Kino weitaus größer waren.
Mit zunehmender Fernseh-Konkurrenz begann man, intensiv nach neuen Bildformaten zu suchen. Sie sollten den Kinofilm wieder zu etwas Besonderem machen. Man strebte größere bzw. breitere Bildformate, so genannte „Breitwand-Formate“ an. Darunter versteht man alle Bildformate mit einem Breiten-Höhen-Verhältnis von 1,66:1 und größer.
Bis heute sind zwei unterschiedliche Methoden in Gebrauch, um Breitwandformate zu erzeugen. Die einfachste Methode besteht darin, den obersten und untersten Teil des Bildes abzudecken. Dies bedeutet aber, dass nur ein viel kleinerer Teil des zur Verfügung stehenden Bildfeldes ausgenutzt wird. Anders beim „anamorphotischen“ Breitwand-Verfahren, das insbesondere in den 1950ern als CinemaScope-Verfahren die Kinowelt begeisterte.
Das CinemaScope-Verfahren – eine „technische Revolution“
Durch einen optischen Trick nutzt das CinemaScope-Verfahren fast das ganze Bildfeld des 35mm Films aus. Mit Hilfe eines Objektiv-Vorsatzes mit speziellen Linsen, Anamorphot genannt, ist man in der Lage, das Bild vor der Aufnahme stark in der Breite zu stauchen. Auf dem Filmnegativ erscheint ein Gegenstand halb so breit wie in Wirklichkeit. Die Höhe bleibt unverändert. Bei der Wiedergabe des Films wird das gestauchte Bild wieder durch ausgleichende Linsen im Projektor entzerrt. Die normalen Proportionen werden wieder hergestellt. Auf diese Weise erreichte das frühe anamorphotische System bei der Projektion ein Bildformat von 2,55:1. Später wurde es auf das heute übliche 2,35-Format reduziert, um Platz für eine Tonspur zu schaffen.
Schon in den späten 1920ern entwickelte der französische Prof. Henri Chretien seinen Anamorphoten. Doch erst die Konkurrenz zur Fernsehindustrie in den 50er Jahren ließ seine Erfindung zu Ruhm gelangen. Die US-amerikanische Filmgesellschaft „Twentieth Century Fox“ erwarb das Patent an Professor Chretiens Erfindung und gab ihr den Namen „CinemaScope“.
Der Erfolg
Bevor der erste Film im CinemaScope-Verfahren in die Kinos kam, musste die Filmgesellschaft noch kräftig werben. Denn, das Bild war extrem breit. Darauf waren die Kinos nicht eingerichtet. Wesentlich breitere Leinwände bzw. größere Umbauten der Kinos waren notwendig. Man hielt Mustervorführungen in den USA und Europa ab. Unter anderem in Frankfurt vom 25. bis 27. August 1953.
Der eigentliche Durchbruch gelang kurz darauf, als der erste CinemaScope-Film „The Robe“ (dtsch. „Das Gewand“) in New York an den Kinostart ging. Die Verfilmung eines biblischen Themas mit Richard Burton schlug die Kassenrekorde aller früheren Filme.
26.08.2003 Marion Dimitriadou; Fotos: 20th Century Fox, home entertainment, DVD-Cover; Elektra Vision, Animal Farm