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Lexikon: Vampirfilm

Seit Jahrtausenden existiert die Vorstellung von blutrünstigen Untoten, die nachts ihre Gräber verlassen, um sich vom Lebenssaft ihrer Opfer zu ernähren. Zu einem regelrechten Vampirkult kam es im 18. Jahrhundert, 1897 legte der Ire Bram Stoker den ersten großen Roman zum Thema vor: "Dracula".

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Die filmische Umsetzung folgte auf dem Fuße. 1920 schuf der Regisseur Friedrich Murnau mit "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens" ein Stummfilm-Meisterwerk und den bis ersten Vampirfilm. Max Schreck ist als Darsteller des Vampirgrafen Orlok in die Filmgeschichte eingegangen. Als buckeliges Männlein mit Kahlschädel und langen Krallenhänden sorgte er beim Publikum für Gänsehaut. Einen würdigen Nachfolger fand er 1978 in Klaus Kinski, der in Werner Herzogs Remake des Klassikers in die Rolle des gruseligen Blutsaugers schlüpfen.
 
Der Vampir wird zum Gentleman
 
Seit "Nosferatu" sind ca. 400 Vampirfilme entstanden. Doch Berühmtheit erlangten nur wenige. Die neue Vampir-Generation wurde 1931 eingeläutet. Damals verlieh Schauspieler Béla Lugosi Dracula ein ganz neues Image. Er spielte ihn als gut gekleideten Gentleman, der seine Opfer mit Attraktivität, Charme und Sexappeal in die Falle lockte.
 
Christopher Lee in der Rolle seines Lebens
 
Berühmtester Leinwand-Vampir aller Zeiten ist wohl Christopher Lee, zuletzt als Saruman in "Der Herr der Ringe" zu sehen. Insgesamt sieben Filme in Folge wurden ab 1958 mit ihm gedreht. Sein Markenzeichen: Lange spitze Fangzähne, ein schwarzes Cape und glutrote Augen, mit denen er mit Vorliebe Jungfrauen hypnotisierte. Danach schien das Kinopublikum erst einmal genug von Dracula und Co zu haben.
 
Parodie Ă  la Polanski
 
Roman Polanski versuchte es deshalb 1967 auf die witzige Tour und landete mit seinem "Tanz der Vampire" einen Riesenhit. In seiner turbulenten Persiflage macht er sich über sämtliche Versatzstücke bisher vorhandener Vampirfilme lustig. Erst in dem 90er Jahren wurden die Blutsauger ernsthaft für den Film widerentdeckt. Francis Ford Coppola lieferte mit "Bram Stokers Dracula" die wohl originalgetreueste Verfilmung des Roman-Klassikers. Hier wird die Hauptfigur erstmals als tragische Gestalt gezeigt, die von Trauer und tiefer Verzweiflung gezeichnet ist.
 
Ein Blutsauger auf Zeitreise
 
Gleich ein Jahr später taucht Tom Cruise als Vampire Lestat auf der Leinwand auf, der einem Journalisten sein langes Leben schildert. Der auf dem Roman "Interview mit einem Vampir" von Anne Rice basierende Streifen führt eine weitere wichtige Neuerung in den Vampirfilm ein. Zum ersten Mal können sich die Opfer, nachdem sie gebissen wurden, selbst entscheiden, ob sie lieber sterben oder als Vampir weiterleben möchten. Wir erfahren außerdem, dass auch Kinder Vampire sein können und dass der Vampir von heute nicht mit Weihwasser, Knoblauch und Kruzifixen zu besiegen ist. Nur das Sonnenlicht und das Abtrennen des Kopfes vom Rumpf bleiben weiterhin gefährlich für ihn.
 
Moderne Vampire
 
Die vorerst letzten Vampirfilme folgten 1996 (Quentin Tarantino:"From Dusk Till Dawn", "Blade"), 1998 ("John Carpenter`s Vampires") und 2002 ("Die Königin der Verdammten", mit der inzwischen tödllich verunglückten Sängerin Aaliyah in der Hauptrolle. Momentan scheint der Vampirfilm tot, aber das ist sicher nur ein kurzer Schlummer. Bald wird er wieder zum Leben erwachen wie die Blutsauger selbst.
 
02.02.2005 / Foto: Film! Das 20. Jahrhundert - mit freundlicher Genehmigung des Prestel Verlags München.

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